Hauptversammlung
Mobilcom appelliert an Fusionsgegner

Der Mobilfunkdienstleister Mobilcom drängt die verbliebenen Gegner einer Fusion mit der Internettochter Freenet zu einem Kompromiss. Die bereits ein Jahr dauernde Hängepartie drohe die Geschäfte der beiden Unternehmen zu beschädigen, warnt Mobilcom-Chef Spoerr auf der Hauptversammlung des Unternehmens.

HB HAMBURG. Die Gesellschaft könne sich einen jahrelangen Rechtsstreit nicht leisten, betonte Mobilcom-Chef Eckhard Spoerr am Montag auf der Hauptversammlung in Hamburg. Mobilcom drohe auf dem Telekommunikationsmarkt ins Hintertreffen zu geraten, falls die Verschmelzung nicht bald vollzogen werde. Die Anteilseigner sollten auf ihrer für zwei Tage angesetzten Hauptversammlung erneut über die vor einem Jahr bereits von ihnen gebilligte Fusion abstimmen. Davon erhofft sich Mobilcom Rückenwind für die Auseinandersetzungen vor Gericht.

Auch Großaktionär TPG rief zur Eile auf. Falls die Fusion nicht umgesetzt werde, drohe Mobilcom zum Übernahmeziel für Konkurrenten zu werden, sagte TPG-Partner Andrew Dechet vor rund 300 Aktionären. Im nächsten Jahr werde sich entscheiden, wer auf dem umkämpften Telekommunikationsmarkt überleben könne. Die Verschmelzung solle Mobilcom/Freenet in die Lage versetzen, durch Akquisitionen zu wachsen. Der Konzern hat bereits Interesse am Kauf des Internet-Zugangsgeschäfts von AOL Deutschland erkennen lassen. Der Finanzinvestor Texas Pacific Group (TPG) hält knapp 29 Prozent an Mobilcom.

Auch Kleinaktionäre kritisierten die Hängepartie. „Wenn man die Angelegenheit nüchtern betrachtet, sind wir keinen Schritt weiter als vor einem Jahr“, sagte ein Aktionärssprecher. Mobilcom habe wichtige Zeit verloren.

Angesichts des Preiskampfs in der Branche und der Fusions-Hängepartie zeigte sich Spoerr skeptisch, ob der Umsatz im Mobilfunk im laufenden Jahr gesteigert werden könne. Mobilcom arbeite hart daran, den Trend zu rückläufigen Umsätzen umzukehren. „Ob es uns am Ende gelingen wird, gegebenenfalls ein leichtes Umsatzplus auszuweisen, ist noch nicht sicher“, sagte Spoerr. In der ersten Jahreshälfte war der Umsatz im Wiederverkauf von Telefonminuten anderer Mobilfunkanbieter leicht abgebröckelt. Mobilcom und Freenet verbuchten zusammen in den ersten sechs Monaten trotz höherer Umsätze einen deutlichen Gewinnrückgang. Als Grund nannten die Unternehmen bei der Vorlage der Halbzeitbilanz den Streit um die geplante Fusion, der bessere Geschäfte bislang verhindere. Spoerr ist zugleich Vorstandschef von Freenet.

Die Anteilseigner hatten die Verschmelzung vor einem Jahr mit großer Mehrheit beschlossen. Der Vollzug ist aber durch Anfechtungsklagen von Kleinaktionären blockiert. Mit ihnen verhandelt der Vorstand von Mobilcom und Freenet seit mehreren Monaten über einen außergerichtlichen Kompromiss. Inzwischen haben die beiden Telekommunikationsfirmen mit einem Großteil der ehemals mehr als zwei Dutzend Kläger einen außergerichtlichen Kompromiss erzielt. Bei Freenet schloss sich bislang nur ein Kläger dem Vergleich nicht an, bei Mobilcom waren es drei. In zwei Freigabeverfahren vor Gerichten in Kiel und Hamburg geht es darum, ob die beiden Unternehmen vor dem Ende des erwarteten Gerichtsmarathons verschmolzen werden können.

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