Hauptversammlung
Qimonda lädt ein und keiner geht hin

Zwar ist Qimonda noch ein junges Unternehmen, doch in der Branche wohl bekannt. Infineon hatte seine Speicherchip-Sparte unter großem Medienrummel an die Börse gebracht. Umso verwunderlicher, dass sich ganze drei Aktionärsvertreter auf die erste Hauptversammlung in München verirrt hatten. Doch gibt es eine gute Erklärung dafür.

HB MÜNCHEN. Obgleich Qimonda 3 Mrd. Euro Umsatz macht, fand sich am Dienstag nur ein kleines Grüppchen im Europasaal des Hauses der Bayerischen Wirtschaft ein, der Platz für 250 Leute bietet. Anwesend waren zwei Vertreter des Infineon-Konzerns und ein Citigroup-Banker, der einen Teil der US-Aktionäre vertrat. Die drei Personen repräsentierten allerdings 93,3 Prozent des stimmberechtigen Kapitals.

Die Premiere war denn auch schnell vorüber. Fragen wurden keine gestellt. Aufsichtsratschef Peter Fischl scherzte, nachdem die drei Vertreter ihre Stimmkarten abgegeben hatten: „Das Ergebnis der Abstimmung werde ich verkünden, nachdem mir die Auswertung aus dem Rechenzentrum vorliegt.“

Wenn an diesem Donnerstag die Konzernmutter Infineon zur Hauptversammlung lädt, wird es ganz anders zugehen. Zu der Veranstaltung werden bis zu 4 000 Aktionäre erwartet – das sind mehr, als Qimonda überhaupt Anteilseigner hat. Erwartet wird eine hitzige Debatte zum Beispiel über den Korruptionsskandal um den früheren Vorstand Andreas von Zitzewitz und die Abspaltung der derzeit erfolgreichen Speicherchip-Tochter Qimonda. Zudem dürften – wie bei den großen Hauptversammlungen in Deutschland üblich – auch eher skurrile Themen in einer stundenlangen Diskussion zur Sprache kommen. Bei der Siemens-Hauptversammlung vor zwei Wochen beschwerte sich zum Beispiel ein Redner, dass ihm von der Einlasskontrolle sein Apfel abgenommen worden sei. Ein anderer klagte, dass bei Siemens zuviel englische Begriffe genutzt würden.

Qimonda ist ein Sonderfall

Bei Qimonda war all das kein Thema. Denn der Speicherchip-Hersteller ist ein Sonderfall. Das Unternehmen ist zwar eine deutsche AG mit Sitz in München. Notiert ist die Qimonda AG aber allein in den USA. In Deutschland werden die Anteilsscheine nur im Freiverkehr gehandelt. „Und das findet dann eher in homöopathischen Dosen statt“, sagt ein Finanzexperte. Der Großteil der 3 000 Aktionäre sind institutionelle Anleger in den USA. Dort wiederum gibt es die Hauptversammlung als Tag der Generalkritik wie in Deutschland nicht. „Die sind vor allem an den Abstimmungen interessiert“, sagt der Experte. Die Abstimmungen wiederum sind derzeit bei Qimonda noch reine Formsache: Infineon hält noch 85,9 Prozent der Anteile.

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