Hauptversammlung
SAP-Betriebsrat ist „Fremdkörper im System“

Das Manegement von Europas größtem Softwarehersteller SAP hat sich mit der Gründung eines Betriebsrats abgefunden, nicht aber die Anteilseigner. Auf der Hauptversammlung ließen diese ihrem Unmut freien Lauf. Nach dem Tadel folgte aber gleich ein dickes Lob.

HB MANNHEIM. „SAP ist ein Paradebeispiel für guten Kapitalismus“, sagte Jella Benner-Heinacher von der Kleinanleger-Vereinigung DSW am Dienstag in Mannheim. Der von einer kleinen Minderheit der Belegschaft erzwungene Betriebsrat sei „ein Fremdkörper im System“, sagte sie unter dem Beifall der Mitaktionäre. Auch ein anderer Kleinaktionär forderte, SAP solle sich gegen Gewerkschaftsvertreter im Unternehmen stellen.

Erstmals in der 34-jährigen Unternehmensgeschichte soll bei SAP am 21. Juni ein Betriebsrat gewählt werden. Der größte Teil der rund 14 000 Mitarbeiter in Deutschland hatte sich zwar gegen die Gründung einer Arbeitnehmervertretung ausgesprochen, doch letztlich siegte eine Minderheit mit der Androhung einer Klage vor dem Arbeitsgericht. Das SAP-Management lenkte ein und ließ die Betriebsratswahl zu. Die Unternehmensführung hatte bei der Ablehung der Wahl stets darauf verwiesen, dass es Belegschaftsvertreter im Aufsichtsrat gebe.

Für die Unternehmensführung erntete der Vorstand unter Führung von Henning Kagermann allerdings viel Lob von den Kleinaktionären. „SAP hat alle Prognosen erreicht. Auf dieses Management ist Verlass“, sagte die Vertreterin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Beim Aktienkurs sei kein Ende des Wachstums abzusehen. Die Ausgabe von Gratisaktien sei eine aktionärsfreundliche Lösung, um die Aktie optisch billiger zu machen. Dazu sollen nach Zustimmung der Hauptversammlung pro Aktie drei Gratisaktien ausgegeben werden, wodurch sich der Aktienkurs rechnerisch viertelt. Die SAP-Aktionäre sollen für das Geschäftsjahr 2005 eine Dividende von 1,45 Euro je Aktie erhalten; für 2004 waren 1,10 Euro je Papier gezahlt worden.

Die vorgeschlagene Erhöhung der Aufsichtsratsbezüge und ihre teilweise Koppelung an die Dividende stieß hingegen auf Kritik der Kleinanleger, ebenso wie „zu vage“ Aussagen zur künftigen Geschäftsentwicklung. „Wir wollen eine fixe Vergütung für die Aufsichtsräte, um eine gleichbleibend hohe Überwachungsfunktion zu gewährleisten“, forderte die Aktionärsvereinigung SdK. „Ein Schiedsrichter wird auch nicht nach der Zahl der geschossenen Tore bezahlt“, sagte ihr Vertreter Willi Bender unter Beifall der Aktionäre.

Die DSW verlangte konkrete Prognosen zum Verkaufserfolg des ersten gemeinsamen Produkts mit dem weltgrößten Softwarehersteller Microsoft. Die Software „Duet“ soll im Juni auf den Markt kommen, SAP will damit den Massenmarkt ansprechen.

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