Hauptversammlung
SAP-Chef auf der Suche nach der Balance

Heute hat er seinen Auftritt bei der SAP-Hauptversammlung. Leo Apotheker, designierter neuer Allein-Chef des Walldorfer Softwareriesen, hält sich in der Öffentlichkeit noch zurück. Dabei entspricht das so gar nicht seinem Naturell. Der Vertriebsprofi gilt als ungeduldig und drängend. Im Hintergrund wirbelt er bereits heftig.

FRANKFURT. Die Augen bohren sich in die seines Gegenübers, das Lächeln zwischen den graumelierten Barthaaren wird breiter. Einige Sekunden vergehen, dann folgt die Antwort, überraschend scharf im Tonfall: "Sie wissen, dass das nicht stimmt." Der verbale Schuss sitzt. Der Gesprächspartner, ein Journalist, lächelt verunsichert. Ob er als künftiger Vorstandschef der SAP die Entwicklungsausgaben grundsätzlich kappen werde, wie berichtet wurde, hatte dieser wissen wollen. Die Antwort ist deutlich.

Das Jonglieren mit Zuckerbrot und Peitsche, Leo Apotheker beherrscht es perfekt. Ab Mai nächsten Jahres soll der 55-Jährige alleiniger Vorstandschef des Walldorfer Softwareriesen SAP werden, Nachfolger von Henning Kagermann. Eine Rolle, die ihm liegt, an die er sich aber auch erst noch gewöhnen muss. "Leo kann sehr einnehmend sein, er hat aber andererseits klare Ansichten, die er unmissverständlich und oft auch ohne Rücksicht äußert. Als CEO wird er sich hier manchmal bremsen müssen", sagt ein Konzernmanager, ein langjähriger Wegbegleiter.

Mit Apotheker beginnt eine neue Ära bei SAP. Der Wind, der künftig durch die Büros und Entwicklerlabore des weltgrößten Softwarekonzerns wehen wird, ist bereits spürbar. Er wird rauer sein. "Henning sagt klar, was er will, vertraut dann aber auf die Intelligenz der Leute", sagt sein Wegbegleiter. "Leo ist ein Stück deutlicher und hakt viel intensiver und vor allem länger nach."

Noch muss sich Apotheker freilich zurückhalten. Heute zum Beispiel, wenn er sich erstmals als designierter Alleinregent über das Reich der Softwareschmiede den Tausenden von Aktionären stellt. In der von SAP-Mitgründer Dietmar Hopp finanzierten Mannheimer Eissporthalle SAP-Arena wird noch einmal Kagermann, in der Branche und bei Investoren gleichermaßen anerkannt, die Hauptrede auf der Hauptversammlung halten. Für Apotheker bleibt die Rolle des Beobachters.

Wohl ein letztes Mal. Kagermann, so ist zu hören, wird vor Ende seines Vertrags im Mai 2009 aufhören. Das gilt in der Konzernzentrale in Walldorf mitten auf dem nordbadischen Spargelacker als ausgemacht. "Wir tippen auf den Jahreswechsel", heißt es bei Insidern.

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