Hauptversammlung: Siemens bekommt Kapital, Cromme kassiert

Hauptversammlung
Siemens bekommt Kapital, Cromme kassiert

Die Aktionäre des Mischkonzerns Siemens haben den Weg für milliardenschwere Kapitalmaßnahmen geebnet. Einer möglichen Kapitalerhöhung erteilten am Dienstag auf der Hauptversammlung in München 92,0 Prozent der vertretenen Stimmen ihre Zustimmung.

HB MÜNCHEN. Für die mögliche Ausgabe von Wandel- oder Optionsschuldverschreibungen stimmten 96,8 Prozent. Die Kapitalerhöhung soll maximal 173,6 Mio. neue Aktien umfassen oder knapp 19 Prozent des Grundkapitals. Die Schuldverschreibungen deckelt der Vorstand bei 15 Mrd. Euro; dem gegenüber stehen 200 Mio. Aktien oder knapp 22 Prozent des Grundkapitals. Die Genehmigungen sollen bis Anfang 2014 gültig sein.

Mit den Kapitalmaßnahmen sollen bei Bedarf unter anderem Akquisitionen ermöglicht werden. Konkrete Pläne für die Ausnutzung des neuen so genannten Genehmigten Kapitals bestünden derzeit aber nicht, hieß es. Es handele sich um Vorratsbeschlüsse. Konzernchef Peter Löscher hatte wiederholt angekündigt, die Wirtschaftsflaute auch für Übernahmen nutzen zu wollen. Operativ gibt es nach seinen Aussagen bis 2011 nur einen "geringen Refinanzierungsbedarf".

Die stabile Dividende von 1,60 Euro winkten die Aktionäre mit 99,3 Prozent durch. 99,6 Prozent stimmten für den Wechsel des Abschlussprüfers. Statt KPMG wird nun Ernst & Young das Testat erstellen. KPMG war im Zuge der Schmiergeld-Affäre in die Kritik geraten, waren die Machenschaften doch lange unentdeckt geblieben. Rund 44 Prozent der Stimmrechte waren auf der Hauptversammlung vertreten.

Der Siemens-Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme bekommt künftig mehr Geld für seinen Job als Chefkontrolleur des Technologiekonzerns: Die Hauptversammlung stimmte am Dienstagabend mit 92,6 Prozent für eine Neuregelung der Vergütung. Demnach erhält jedes Mitglied des Kontrollgremiums jährlich eine Grundvergütung von 50 000 Euro, der Aufsichtsratschef das Dreifache, also 150 000 Euro. Hinzu kommen variable Vergütungen, die sich am Erfolg des Unternehmens orientieren, sowie ein Sitzungsgeld von 1000 Euro je Treffen. Nach dem neuen Vergütungssystem hätte Cromme für das vergangene Geschäftsjahr rund 350 000 Euro erhalten statt 310 000 Euro.

Aktionärsvertreter hatten den Aufschlag während der Hauptversammlung kritisiert. Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) mahnte unter dem Beifall von rund 9500 Aktionären Aufsichtsrat wie auch Vorstand zu "etwas mehr Bescheidenheit angesichts der Weltwirtschaftskrise, angesichts der Restrukturierungen und angesichts des internen Stellenabbaus". Mit einer Vergütung von rund neun Mio. Euro im vergangenen Jahr liege Konzernchef Peter Löscher im Spitzenfeld der deutschen Wirtschaft. Cromme verteidigte die Erhöhung der Aufsichtsratsbezüge mit der Komplexität und dem Zeitaufwand des Jobs. Bei der Abstimmung erhielt er dennoch einen kleinen Dämpfer.

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