Hauptversammlung
Sky lässt sich Umbennung einiges kosten

Premiere heißt seit einigen Tagen offiziell Sky. Die Werbetrommel wird für recht viel Geld längst gerührt. Dabei hat erst heute die Hauptversammlung noch offiziell der Umbenennung zugestimmt. Dabei ist der neue Name nur ein Beispiel dafür, dass neue Haupteigentümer Murdoch den Bezahlsender radikal umkrempeln will.

HB MÜNCHEN. Die Aktionäre des Bezahlsenders Premiere haben der Umbenennung ihres Unternehmens in Sky Deutschland zugestimmt. Mit einer Mehrheit von 99,79 Prozent der anwesenden Stimmen billigten sie am Donnerstag auf der Hauptversammlung des Unternehmens in München einen entsprechenden Vorschlag des Managements. Das Programm läuft bereits seit dem 4. Juli unter dem neuen Namen, die Umbenennung des Unternehmens im Handelsregister soll nun in den kommenden Wochen folgen. Nach einer monatelangen Achterbahnfahrt mit Finanzierungsproblemen, personellen Querelen und einem grundlegenden Umbau hatte der neue von Großaktionär Rupert Murdoch entsandte Vorstand um Mark Williams das Unternehmen umgebaut und wollte auch einen symbolischen Neuanfang unter neuer Flagge.

„Nach dem Start umfangreicher Maßnahmen in den Bereichen Programm, Vertrieb, Marketing und Kundenservice erwarten wir ab dem laufenden Quartal einen Anstieg der Abonnentenzahlen“, sagte Williams. Genaue Angaben machte er allerdings nicht. Zuletzt hatte Sky rund 2,4 Mio. Kunden. Um die Gewinnschwelle zu erreichen, sind drei bis 3,4 Mio. nötig. Williams will den Sender bis 2011 in die schwarzen Zahlen führen. Für dieses und nächstes Jahr hat er noch Verluste angekündigt. Premiere hatte im vergangenen Jahr einen Verlust von knapp 270 Mio. Euro eingefahren und war knapp an der Pleite vorbeigeschrammt. Kurz vor Weihnachten hatte sich Murdoch mit den Banken dann aber auf ein neues Finanzierungskonzept für den Sender geeinigt. Über zwei Kapitalerhöhungen flossen Premiere daraufhin rund 450 Mio. Euro zu.

„Ich denke, die Umbenennung in Sky ist richtig. Der Name Premiere ist verbrannt“, sagte Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). „Es gilt das Motto: neuer Name, neues Glück“, meinte auch Benedikt Huesmann von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Auch ein Vorratsbeschluss für eine mögliche Kapitalerhöhung von bis zu 147 Mio. Euro sowie die Besetzung des neuen Aufsichtsrates wurden wie erwartet gebilligt. Im Aufsichtsgremium sitzt neben dem Chef von Sky Italia, Thomas Mockridge, unter anderem auch der frühere Vorstandschef von ProSiebenSat.1, Guillaume de Posch.

Erneut hart ins Gericht gingen die Aktionäre mit den früheren Vorstandschefs Georg Kofler und Michael Börnicke. „Nach unserer Meinung kann den alten Vorständen keine Entlastung erteilt werden“, sagte SdK-Vertreter Bauer. Die SdK hatte Mitte Mai Kofler und Börnicke angezeigt. Sie werfen den beiden Managern vor, sowohl beim Börsengang der Premiere AG 2005 als auch bei der Kapitalerhöhung 2007 unrichtige Angaben zur Klassifizierung, zur Zählweise und zur tatsächlichen Zahl der Abonnenten des Bezahlsenders gemacht zu haben. Außerdem beschuldigten die Aktionärsschützer Kofler und Börnicke des Insiderhandels.

Kofler hatte die Vorwürfe damals entschieden zurückgewiesen, Börnicke war nicht für eine Stellungnahme erreichbar gewesen. Nach seinem Amtsantritt im vergangenen Jahr hatte Williams die Zählweise des alten Managements aufgegeben und zahlreiche Karteileichen aus den Beständen geworfen. Die Kundenzahl sank so um fast eine Million. Rechtsvorstand Holger Enßlin sagte auf der Hauptversammlung, mögliche Verstöße ehemaliger Manager würden derzeit geprüft. Sollte sich ergeben, dass Grund für Vorwürfe bestehe, werde das Unternehmen tätig. Die Entlastung des Vorstandes und Aufsichtsrates für 2008 wurde deshalb erwartungsgemäß vertagt.

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