Hauptversammlung
Telekom-Chef droht Mitarbeitern

René Obermann steckt in einer Zwickmühle, was auf der Hauptversammlung mehr als deutlich wurde: Seinem Unternehmen, der Deutschen Telekom, laufen die Kunden weg. Gleichzeitig sperren sich die Mitarbeiter gegen Veränderungen. Um letztere zum Einlenken zu bewegen, hat der Konzernchef nun eine härtere Gangart eingeschlagen.

KÖLN. Obermann hat seine umstrittenen Pläne, 50 000 Service-Mitarbeiter zu einem geringeren Gehalt und einer höheren Wochenarbeitszeit in neue Gesellschaften auszugliedern, trotz scharfer Kritik verteidigt. Er erhöhte am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Köln nochmals den Druck auf Verdi, indem er ankündigte, Serviceeinheiten zu verkaufen, falls es nicht zu einer Einigung komme: „Zusätzlich werden wir uns jetzt mit einem möglichen Verkauf von Teilen der Servicebereiche an Drittanbieter auseinandersetzen müssen.“

Obermann betonte, der Vorstand wolle das nicht und würde es mit einer Einigung mit Verdi auch gerne vermeiden. „Angesichts des steigenden Zeit- und Kostendrucks müssen wir zügig agieren“, sagte er. Die Telekom hatte bereits in den vergangenen Monaten Callcenter an den Ettlinger Telefondienstleister Walter Services und an den Medienkonzern Bertelsmann verkauft.

Unterstützung für seine Umbaupläne erhielt der Vorstand von der größten deutschen Fondsgesellschaft DWS und der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz DSW. In den Reihen der Belegschaftsaktionäre wurde hingegen Obermanns Kritik an der mangelnden Serviceorientierung der Mitarbeiter als „beleidigend“ empfunden. Das sagte Kornelia Dubbel als Vertreterin der Belegschaftsaktionäre. „Wer hat denn in den vergangen Jahren nur auf Schnelligkeit geachtet, worunter die Qualität litt?“, fragte Dubbel. Der bereits mit Verdi abgeschlossene Tarifvertrag mit Verdi von T-Mobile sei „Erpressung“ gewesen. Obermann hatte zuvor die Einigung für die Handysparte als Vorbild für die konzernweiten Call-Center gepriesen.

Lautstarke Proteste

Unter den Aktionären in Köln hatten sich offenbar zahlreiche Verdi-Mitglieder gemischt. Bereits vor der Kölnarena, Ort der Hauptversammlung, kam es zu Protestaktionen. Auf Flugblätter forderte die Dienstleistungsgewerkschaft einen Stopp der Pläne „Einkommen zu kürzen und Konditionen zu verschlechtern“.

Verdi hatte am Donnerstag die Frist für ein nachgebessertes Angebot des Vorstands verstreichen lassen. Die Telekom-Führung hatte eine Lohnkürzung von 9 Prozent, eine Erhöhung der Arbeitszeit auf 38 Stunden und eine Verlängerung der Arbeitsplatzgarantie bis 2011 angeboten. Am Freitag will die Große Tarifkommission über einen Streik entscheiden. In den Reihen der Gewerkschaft wird eine Arbeitsniederlegung als unausweichlich angesehen.

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