Hauptversammlung
Telekom: Der lockere Herr Obermann

Auf der Hauptversammlung der Deutschen Telekom in der Kölner Lanxess Arena geriert sich die Deutsche Telekom als Gewinner. Selbstbewusst und locker resümiert Konzernchef René Obermann das abgelaufene Jahr - und erntet dafür mehrfach Applaus in der nahezu voll besetzten Arena.

KÖLN. Gleich zu Beginn räumt Obermann zwar ein: "Für mich war es das bisher schwierigste Jahr". Spitzel- und Datenaffären lassen grüßen. Wichtig aber sei: "Am Ende haben die Zahlen gestimmt" und dann referiert der entspannte Telekom-Chef genüsslich von dem besser als erwarteten Ergebnis im Jahr 2008, der hohen Dividende, Erfolgen in Deutschland und der geplanten Verschmelzung von Fest- und Mobilfunknetz. Zum Ende seiner Rede erstrahlt unter kräftigen Klatschen im Saal auf der Riesenleinwand hinter ihm der Slogan "Die neue Telekom". Aufsichtsratchef Ulrich Lehner dankt dem Vorstandschef - und wieder flammt Applaus auf.

Diese Euphorie der Aktionäre ist erstaunlich. Die fehlenden Wachstumsperspektiven, der bislang noch ungeklärte Netzausfall im Mobilfunk vor wenigen Tagen und sowie die Gewinnwarnung aus der vergangenen Woche, die die T-Aktie auf neun Euro knüppelte, scheinen vergessen.

Selbst die ersten Fragen fallen freundlich aus. Marc Tümmler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sagt: "Es hätte heute richtig nett werden können, wenn sie nicht eine Gewinnwarnung ausgegeben hätten." Die habe die Anleger "wie ein Pfeil ins Herz" getroffen, weil es bis dahin so aussah, als sei die Telekom ein stabiler Wert in der Krise.

Die Telekom hatte ihre um zwei bis vier Prozent reduzierte Prognose des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) vor allem mit konjunkturell bedingten Problemen in den USA, Großbritannien und Wechselkurseffekten in Polen begründet. Bislang galt das Ausland als Wachstumsbringer des Konzerns. "Müssen wir nach der Gewinnwarnung unsere Wachstumsstory zu Grabe tragen?" fragte Tümmler deswegen.

Auch Klaus Kaldemorgen, Geschäftsführer der Fondgesellschaft der Deutschen Bank, DWS, kritisierte die gesenkte Prognose. Der Konzern hätte bei der Vorlage der Geschäftszahlen Ende Februar einen ausreichenden Risikopuffer einbauen sollen, argumentiert er. "Im Hinblick auf einen nachhaltig höheren Aktienkurs war der optimistische Geschäftsausblick vom Februar definitiv nicht zielführend und der Imageschaden wird sicherlich noch einige Zeit auf der Aktie lasten", sagte Kaldemorgen.

Dennoch lobte der DWS-Chef Obermann und seine Vorstandskollegen. Die Telekom habe sich finanziell und wirtschaftlich gestärkt, der geplante Konzernumbau sei ebenso richtig wie die Beteiligung um griechischen Telekomanbieter OTE.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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