Hauptversammlung
Telekom-Vorstände bringen Opfer

In Köln ist die Hauptversammlung der Deutschen Telekom angelaufen. Die Stimmung ist geladen: Vor der Tür protestieren die Mitarbeiter gegen massenhafte Stellenverlagerungen. Drinnen im Saal verlangen die Aktionäre Klarheit darüber, wie der Konzern den Kundenschwund zu stoppen gedenkt. Der Vorstand versucht, beide Seiten mit einer Geste zu beschwichtigen.

HB KÖLN. Alle Mitglieder des Führungsgremiums würden ein Monatsgehalt weniger bekommen, kündigte die Telekom am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Köln an. Bei Konzernchef René Obermann seien es sogar zwei Monatsgehälter, was in etwa 200 000 Euro entspricht. Der Vorstand sei sich der schwierigen Lage in Bezug auf die Mitarbeiter bewusst und wolle seine Solidarität zum Ausdruck bringen, sagte der Telekom-Chef. Im vergangenen Jahr hatte der Vorstand insgesamt 11,4 Mill. Euro verdient.

Das Unternehmen will 50 000 Mitarbeiter gegen deren Willen in drei Service-Gesellschaften auslagern, wo sie für weniger Geld länger arbeiten sollen. Tausende Beschäftigte haben ihrem Ärger darüber am Tag der Hauptversammlung Luft gemacht. In Nordrhein-Westfalen seien am Donnerstagmorgen bereits knapp 3 000 Mitarbeiter im Ausstand gewesen, teilte ein Sprecher der Gewerkschaft Verdi mit. Bundesweit seien rund 15 000 Beschäftigte zu Warnstreiks aufgerufen.

Verdi lehnt die Auslagerung der Stellen zu schlechteren Konditionen ab. Verhandlungen darüber zwischen der Gewerkschaft und der Telekom stecken fest. „Bislang sieht es nicht so aus, als ob die Telekom-Führung zum Einlenken bereit ist,“ sagte Verdi-Sprecher Jan Jurczyk. Am Freitag werde die Große Tarifkommission voraussichtlich die Urabstimmung über einen unbefristeten Streik in die Wege leiten. „Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem längeren Ausstand kommt, ist größer geworden“, betonte Jurczyk.

Telekom-Chef droht

„Wir wollen weiterhin eine Einigung erzielen, die wirtschaftlichen Service und sichere Arbeitsplätze miteinander verknüpft“, sagte Konzernchef Obermann. Er drohte allerdings gleichzeitig, die Gewerkschaft zwinge den Konzern mit ihrem Verhalten dazu, eine Überführung der Servicebereiche in andere Konzernteile wie die Beschäftigungsgesellschaft Vivento oder T-Mobile zu prüfen. Doch lägen die mit Verdi bei T-Mobile ausgehandelten tariflichen Konditionen zum Teil unter denen, die für die neuen Service-Gesellschaften angeboten worden seien. „Zusätzlich werden wir uns jetzt mit einem möglichen Verkauf von Teilen der Servicebereiche an Drittanbieter auseinandersetzen müssen“, sagte Obermann. „Genau das wollten wir nicht, und genau das würden wir auch weiterhin gerne vermeiden.“

In Nordrhein-Westfalen plant Verdi Arbeitsniederlegungen und Kundgebungen in 30 Städten. Schwerpunkte sind unter anderem Köln, Düsseldorf, Aachen, Essen und Münster. In Dortmund wollen sich die Telekom-Beschäftigten mit den ebenfalls streikenden Metallern treffen. In Berlin findet eine zentrale Kundgebung vor dem Roten Rathaus statt, zu der laut Verdi mehr als 1 000 Beschäftigte erwartet werden. Durch die Warnstreiks rechnet die Gewerkschaft mit Beeinträchtigungen im Service- und Reparaturbereich für Telekom-Kunden.

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