Hedgefonds gegen Vodafone
Streit um Kabel Deutschland geht in die nächste Runde

Der US-Hedgefonds Elliott klagt auf Herausgabe eines Sonderberichts und hält die Bewertung von Kabel Deutschland nach wie vor für zu gering. Kabel Deutschland erklärt, den Bericht noch zu prüfen.
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FrankfurtDer Streit über den Preis für die knapp elf Milliarden Euro schwere Übernahme von Kabel Deutschland (KDG) geht in die nächste Runde. Der mit 13,5 Prozent an KDG beteiligte US-Hedgefonds Elliott wirft der Vodafone -Tochter vor, das Gutachten eines Sonderprüfers unter Verschluss zu halten. Darin werden die gebotenen 84,53 Euro je KDG-Aktie offenbar angezweifelt.

Elliott habe daher beim Landgericht München darauf geklagt, Zugang zu dem Bericht zu erhalten, erklärte der Investor am Dienstag. Elliott hält die Bewertung von KDG beim Verkauf des Unternehmens für deutlich zu gering. Schon seit Juli versuchen die Amerikaner, gerichtlich eine mit 225 bis 275 Euro je Aktie deutlich höhere Abfindung für die Minderheitsaktionäre von Kabel Deutschland zu erstreiten.

Kabel-Deutschland-Chef Manuel Cubero hatte das Gutachten des Prüfers auf der Hauptversammlung vor knapp drei Wochen deutlich kritisiert, ohne das Schriftstück vorzulegen. Der Sonderprüfer sei davon ausgegangen, dass Vodafone und KDG schon weit vor der Offerte über eine mögliche Übernahme gesprochen hätten. Seine Zweifel an der Angemessenheit des Übernahmeangebots von Vodafone entbehrten jeder Grundlage. Cubero habe sein Versprechen, den Bericht jedem Aktionär auf Anfrage zur Verfügung zu stellen, nicht eingehalten, erklärte Elliott. KDG habe die Anwälte von Elliott vertröstet, da der Bericht noch geprüft werde.

Kabel Deutschland kündigte dazu am Dienstagabend an, allen Aktionären auf Verlangen eine Kopie des Berichts des Sonderprüfers zukommen zu lassen. Das Unternehmen habe in dem Bericht jedoch datenschutzsensitive Informationen gefunden wie die Namen von Mitarbeitern sowie wettbewerbssensitive Informationen. Diese Punkte werde Kabel Deutschland dem Sonderprüfer übermitteln. „Wir gehen davon aus, dass der Sonderprüfer unserer Anfrage entsprechend nachkommt. Dann wird Kabel Deutschland den Aktionären auf Verlangen diesen Bericht zukommen lassen“, hieß es.

Aus dem Umfeld von Elliott verlautete, der Investor erwäge - abhängig vom Tenor des Sonderberichts - eine außerordentliche Hauptversammlung einzuberufen. „Da ist Rauch, aber wir wissen noch nicht, wo das Feuer ist“, sagte ein Insider.

Elliott hatte in der Übernahmeschlacht hoch gepokert und sich massiv bei KDG eingekauft. Nach einer Zitterpartie sicherte sich der britische Mobilfunkriese Vodafone dennoch 76 Prozent der KDG-Aktien - genug für die Übernahme, aber zu wenig, um die restlichen Aktionäre loszuwerden. Elliott versucht, über eine höhere Abfindung mehr Gewinn herauszuschlagen. Beim Landgericht München ist ein Spruchverfahren zur Überprüfung des gebotenen Abfindungsbetrags abhängig. Bis Ende Oktober muss sich Vodafone dazu äußern.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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