Heftige Kritik am Aktienoptionsplan
Aktionäre greifen Infineon-Vorstand an

Infineon-Chef Ulrich Schumacher unter Beschuss: "Das Aktienoptionsprogramm von Infineon ist grob instinktlos", schimpfte gestern Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) auf der Hauptversammlung in München. Die Juristin betonte zwar, dass gegen solche Programme grundsätzlich nichts einzuwenden sei. "In diesem Fall habe es jedoch "den Geruch von Selbstbedienung".

jojo MÜNCHEN. Bergdolt war nicht alleine mit ihrer Kritik. Zahlreiche Aktionäre gingen mit dem Vorstand des Halbleiterherstellers hart ins Gericht. Die Anteilseigner ärgert besonders, dass die Spitzen von Infineon bereits in den Genuss der zusätzlichen Vergütung kommen, wenn der Kurs jedes Jahr nur um 0,7 % steigt. Willi Bender von der Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz: "Das ist keine Bezahlung nach Leistung, sondern ein Mitnahmegewinn." Bender findet die Gehälter der Infineon- Führungscrew angesichts der Verluste ohnehin zu hoch: "Die Entlohnung ist nicht angemessen." In den vergangenen drei Jahren hat Infineon insgesamt ein Minus von rund 2,5 Mrd. Euro eingefahren. Erst in den zurück liegenden zwei Quartalen erzielte die Firma wieder einen schmalen Gewinn und verspricht auch schwarze Zahlen im gesamten Geschäftsjahr.

Schon vor Beginn der Hauptversammlung hatten Mitarbeiter demonstriert, weil sie um ihre Arbeitsplätze fürchten. Vor allem die Beschäftigten der Chipfertigung in München-Perlach zittern. "Infineon muss endlich sagen, was mit dem Standort passiert", forderte Dieter Scheitor von der IG Metall im Gespräch mit dem Handelsblatt. Scheitor zog gestern in den Aufsichtsrat von Infineon ein. Er kündigte an, sich auch gegen überzogenes Outsourcing ins Ausland einzusetzen. Infineon-Chef Schumacher vergibt seit Monaten immer mehr interne Dienstleistungen an Fremdfirmen, einen Teil davon auch außerhalb der Grenzen.

Angesichts der zuletzt mageren Gewinne dürfte Schumacher seinen Sparkurs in den kommenden Monaten aber gewiss nicht aufgeben. Denn von der kräftigen Erholung im Chipmarkt profitiert die frühere Siemens-Tochter nicht so stark wie erhofft. So senkte die Deutsche Bank gestern ihre Gewinnprognosen für dieses und das kommende Geschäftsjahr. Die Analysten begründen dies vor allem mit den niedrigen Preisen im für Infineon sehr wichtigen Speicherchipgeschäft. Zudem habe das Unternehmen die Herstellungskosten weniger gedrückt als erwartet. Das ist noch nicht alles: Seit Wochen belaste der schwache Dollar das Geschäft. Deshalb hat die Deutsche Bank ein Kursziel von 10 Euro ausgegeben, das sind 1,70 Euro weniger als der Stand gestern. Was Schumacher besonders weh tun muss: Die Banker ziehen die Aktie des Wettbewerbers ST Microelectronics eindeutig vor.

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