Heinz Klinkhammer
Telekom-Personalvorstand: „Der Bund trägt Verantwortung für Beamte“

Heinz Klinkhammer ist im Personalvorstand der Deutschen Telekom. Im Interview spricht er über Entalssungen und Vorruhestand.

Handelsblatt: Herr Klinkhammer, die Deutsche Telekom sagt, seit der Privatisierung 1995 haben knapp 117 000 Mitarbeiter den Konzern verlassen. Wieso hat das Unternehmen dann heute mehr Beschäftigte?

Wir haben rund 50 000 Mitarbeiter in den vergangenen zehn Jahren eingestellt, darunter vor allem unsere eigenen Nachwuchskräfte. Außerdem haben wir rund 28 000 Mitarbeiter aus der Festnetzsparte umgeschult und in andere Bereiche wie beispielsweise unsere Mobilfunktochter vermittelt. Das zeigt, dass wir mit einem personellen Umbau den enormen Wandel des Unternehmens bewerkstelligt haben. Wir haben uns um die Menschen gekümmert und uns keineswegs – wie etwa die Gewerkschaft behauptet – durch Kahlschlag saniert.

Die Telekom will mit dem Bund über eine Vorruhestandsregelung für ihre Beamte verhandeln. Ist das angesichts knapper öffentlicher Kassen nicht aussichtslos?

Wir müssen der Öffentlichkeit und der Bundesregierung genau erläutern, dass uns der starke Wettbewerb und der technische Wandel zwingen, Personal zu reduzieren. Dabei wollen wir niemanden über Gebühr belasten. Wir verlangen keine Sonderopfer.

Sondern?

Wir möchten mit dem Bund gemeinsam eine sozialverträgliche Lösung unseres Beschäftigungsproblems finden. Wir sind uns bewusst, dass die Deutsche Telekom dafür einen Großteil der Kosten übernehmen muss. Dabei sind verschiedene inhaltliche Punkte zu klären, zum Beispiel das Lebensalter, mit dem der Beamte in den Vorruhestand und dann später in den Ruhestand wechseln wird.

Gibt es keine andere Möglichkeit als den Vorruhestand?

Wir haben in unserer Beschäftigungsagentur Vivento die Erfahrung gemacht, dass eine dauerhafte externe Vermittlung von Beamten vor allem wegen dienstrechtlicher Vorschriften äußerst schwierig ist.

Was passiert, wenn Sie sich nicht mit dem Bund einigen?

Dann würde eine rechtlich fragwürdige Situation entstehen: Die Telekom müsste den einzelnen Beamten bis zu seiner Pensionierung bezahlen, ohne dass wir eine Beschäftigung für ihn hätten. Der Beamte hat aber nicht nur einen verfassungsrechtlich gesicherten Anspruch auf amtsangemessene Bezahlung, sondern auch auf amtsangemessene Beschäftigung. Letzteres können wir aber eben nicht mehr leisten.

Eine einfache Behörde kann dem Bund Beamte zurückgeben, wenn sie keine amtsangemessene Verwendung mehr für die Staatsdiener hat. Kann die Telekom das auch?

Die Deutsche Telekom kann ihre rund 73 000 Beamten nicht einfach abgeben. Aber der Bund hat seine Verantwortung für die Beamten der Telekom nicht verloren. Wenn wir diese Beamten nachweislich nicht mehr beschäftigen können, ist es legitim, nach einer Beschäftigungsmöglichkeit beim Bund zu fragen.

Die Fragen stellte Sandra Louven.

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