Hellman & Friedman
Finanzinvestor steigt bei Springer aus

Der amerikanische Finanzinvestor Hellman & Friedman steigt nahezu komplett beim Medienkonzern Axel Springer aus. Die Beteiligungsgesellschaft hat ein Aktienpaket von 8,4 Prozent an die Deutsche Bank verkauft. Der Börsenwert des Pakets beträgt 123 Mio. Euro. Dadurch erhöht sich der Anteil der frei handelbaren Aktien nach Springer-Angaben auf nunmehr 23,1 Prozent.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Ein Sprecher der Deutschen Bank bestätigte das Engagement und sagte, es handele sich um eine reine Finanzbeteiligung. Hellman & Friedman war 2003 eingestiegen, wobei die Deutsche Bank an einer Kreditfinanzierung des Deals beteiligt war. Das Engagement war auf den vergangenen Hauptversammlungen der Bank immer wieder ein Thema gewesen. Hellman & Friedman konnte den Kredit in bar oder in Wertpapieren zurückzahlen, nunmehr entschied man sich zum Ausgleich in Aktien.

Für Hellman & Friedmann war die Beteiligung an dem Verlagskonzern vor fünf Jahren lukrativ. „Unser Investment in Axel Springer war ausgesprochen erfolgreich“, sagte am Donnerstag der Chef des Finanzinvestors, Brian Powers. Die Beteiligungsgesellschaft hatte bereits vor zwei Jahren die Hälfte des Pakets von 19,4 Prozent zu einem Preis von 122 Euro pro Aktie verkauft. Am Donnerstag legte der Kurs des Springer-Papiers um 3,61 Prozent auf 44,80 Euro zu.

Der US-Finanzinvestor hatte im Herbst 2003 für 350 Mio. Euro das Aktienpaket erworben. Damals befand sich der „Bild“-Konzern angesichts einer schwachen Werbekonjunktur in schwerem Fahrwasser. Die Aktien stammten aus dem Besitz des Münchener Medienunternehmers Leo Kirch. Das Paket erhielt die Deutsche Bank damals als Pfand.

Die Deutsche Bank wird die Aktien nun am Markt platzieren. Der Zeitpunkt ist allerdings noch nicht bekannt. Bei einem Verkauf über den Markt würde der Free Float auf 31,4 Prozent steigen.

Ein höherer Anteil frei handelbarer Aktien ist ein ausdrücklicher Wunsch von Springer-Chef Mathias Döpfner. Der Konzern legte zuletzt eine solide Bilanz vor. In den ersten neun Monaten 2008 steigerte das Unternehmen den Umsatz um 8,1 Prozent auf 1,99 Mrd. Euro. Das Ebitda stieg um 4,1 Prozent auf knapp 307 Mio. Euro.

Hellman & Friedman ist neben Springer noch bei weiteren Medienunternehmen engagiert. Erst im Februar diesen Jahres übernahm der Finanzinvestor für 2,4 Mrd. Dollar (1,6 Mrd. Euro) die US-Fotoagentur Getty Images.

Der Finanzinvestor ist in Deutschland kein Unbekannter. Hellman & Friedman war zusammen mit dem US-Medienunternehmer Haim Saban am Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 beteiligt. Beim Berliner Printkonzern Springer ist die Beteiligungsgesellschaft nicht komplett ausgestiegen: Sie hält jetzt noch 1,6 Prozent der Anteile.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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