Henri Nannen Preis
Bild-Zeitung wird für Wulff-Recherche ausgezeichnet

Der Henri Nannen Preis für journalistische Leistungen wird am Abend in Hamburg verliehen. In der Rubrik „Investigative Recherche“ gewinnt nach Informationen des Handelsblatts die Bild-Zeitung - aber nicht nur.
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DüsseldorfDie Jury des Henri Nannen Preises hat für die vorab heftig diskutierte Auszeichnung in der Kategorie „Investigative Recherche“ eine Kompromisslösung gefunden. Der Preis 2012 geht sowohl an die Bild-Zeitung als auch die Süddeutsche Zeitung. Dies geht aus einer Meldung hervor, die der Veranstalter bereits im Netz verfügbar gemacht hatte. Eigentlich sollte die Preisverleihung noch bis zur tatsächlichen Vergabe heute Abend geheim bleiben.

Die Reporter Nikolaus Harbusch und Martin Heidemanns der Bild-Zeitung werden für die Recherche-Leistung in der Wulff-Affäre ausgezeichnet. Ihnen sei es gelungen herauszufinden, „dass der höchste Repräsentant unseres Staates in seiner vorherigen Rolle als niedersächsischer Ministerpräsident einen dubiosen Privatkredit angenommen und dem Parlament nicht die volle Wahrheit gesagt hatte“, heißt es in der Mitteilung.

Die mögliche Auszeichnung der Bild-Zeitung hatte im Vorfeld für Diskussionen gesorgt. So kritisierte die ehemalige Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer, dass mit einer solchen Auszeichnung einer Boulevardzeitung „ein Ritterschlag mit Zugang zur Artus-Runde“ gewährt würde.

Von der Debatte offenbar beeindruckt griff die Jury des vom Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr und dessen Magazin „Stern“ verliehenen Preises nun zu einem Kniff. Sie zeichnete nicht nur die Bild, sondern auch die Reporter Hans Leyendecker, Klaus Ott und Nicolas Richter der Süddeutschen Zeitung für ihre Aufdeckung einer Affäre rund um die Bayerische Landesbank aus. Pikant: Hans Leyendecker hatte nach 2011 in der Debatte um die zurückgezogene Verleihung des Reportage-Preises an den Spiegel-Autor René Pfister den Rücktritt der Jury gefordert. Von derselben Jury bekommt er nun selbst den Preis.

In der Rubrik Reportage gewinnt Stefan Willeke (Die Zeit) für einen Text über den ehemaligen RWE-Chef Jürgen Großmann. Die beste Dokumentation zu einem komplexen Thema erstellte nach Ansicht der Jury ein zwölfköpfiges Team des Spiegel. Für ein gelungenes Essay wird Niklas Maak von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ausgezeichnet und für die beste Fotoreportage Kai Löffelbein (stern.de).

Bereits bekannt war, dass der britische Journalist Nick Davies („The Guardian“) den Preis für seinen Einsatz für die Pressefreiheit erhalten soll. Er deckte auf, dass Reporter der britischen Boulevardzeitung „News of the World“ des Medienunternehmers Rupert Murdoch illegale Abhör- und Bestechungsmethoden nutzten, um an Informationen von Prominenten, Politikern und Privatpersonen zu kommen. Der 85 Jahre alte Fotograf, Kurator und Stifter F.C. Gundlach wird für sein Lebenswerk bedacht.

Die Preise werden am Abend im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg übergeben. Die Auszeichnungen sind mit insgesamt 35 000 Euro dotiert. 872 deutschsprachige Texte sowie Fotos waren von den Bewerbern für journalistische Genres wie Reportage, Dokumentation und Essay eingereicht worden. Der Preis erinnert an den Gründer der Illustrierten, Henri Nannen (1913-1996).

mit Material von dpa

Henri Nannen Preis - Mitteilung zum Download

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche

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