Henri-Nannen-Preis
Süddeutsche Zeitung verzichtet auf renommierten Journalistenpreis

Die Redaktion der Süddeutschen Zeitung hat sich am Freitagabend geweigert, den renommierten Henri-Nannen-Preis anzunehmen. Damit protestiert das Blatt gegen die gleichzeitige Würdigung der Bild-Zeitung.
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Erneuter Eklat beim Henri-Nannen-Journalistenpreis: Hans Leyendecker, Klaus Ott und Nicolas Richter von der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) haben die renommierte Auszeichnung am Freitagabend im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg abgelehnt. Sie wollten nicht gleichzeitig mit Autoren der „Bild“-Zeitung in der Kategorie „Beste investigative Leistung“ geehrt werden. Die Jury hatte sich für zwei Preisträger entschieden. Der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr und sein Magazin „Stern“ verliehen zum achten Mal die mit 35.000 Euro dotierten Preise in mehreren Kategorien. Sie erinnern an Henri Nannen (1913-1996), den Gründer der Illustrierten „Stern“.

Die Nominierung des Boulevardblatts „Bild“ war schon im Vorfeld umstritten. Erfolgreich war der Beitrag „Wirbel um Privatkredit - Hat Wulff das Parlament getäuscht?“ (vom 13.12.2011) in der Affäre um den früheren Bundespräsidenten Christian Wulff, der letztendlich zurücktrat. Das Stück haben die „Bild“-Autoren Martin Heidemanns und Nikolaus Harbusch recherchiert. „Genugtuung spielt keine Rolle“, sagte Harbusch bei der Ehrung.

Nach den beiden kamen die „SZ“-Journalisten auf die Bühne, die 2011 die „Formel-1-Affäre“ bei der BayernLB aufgedeckt hatten. Leyendecker zeigte sich gerührt: „So schön war es noch nie“, sagte der 63-Jährige rückblickend auf seine Karriere. Und dann brachte er die Erklärung, die das Publikum verstummen ließ. Leyendecker bezeichnete die Jury-Entscheidung als ein „Stückchen Kulturbruch“. Wenn die Jury meine, die „Bild“ habe den Preis verdient, respektiere er das. Er und seine Kollegen wollten sich jedoch nicht mit dem Boulevardblatt den Preis teilen. Leyendecker stellte allerdings klar, dass sich die Ablehnung nicht gegen die „Bild“-Kollegen richte.

Kritik kommt auch vom „Netzwerk Recherche“. Der Verein für investigativen Journalismus schreibt, der Jury „fehlt offenbar zum wiederholten Mal ein klares Verständnis für die journalistischen Kriterien.“ Bei der Wulff-Story handele es sich um einen erfolgreichen „Scoop“. „Investigativ arbeiten“ heiße aber nicht, eine möglichst skandalträchtige Schlagzeile zu produzieren oder von anderen Medien möglichst oft zitiert zu werden. Das seien allenfalls Begleiterscheinungen. Investigativer Journalismus sei vor allem dadurch geprägt, dass er ein gesellschaftlich relevantes Thema hartnäckig verfolge, gegen Widerstände zu recherchiere, dabei neue Erkenntnisse gewinne und sie verständlich präsentiere.

Im Vorfeld der Preisverleihung hatte die Grünen-Politikerin Antje Vollmer eine mögliche „Bild“-Wahl als „Ritterschlag mit Zugang zur Artus-Runde“ für das Massenblatt bezeichnet. Bei der Veranstaltung gab es vereinzelt Buh-Rufe, als die „Bild“-Entscheidung öffentlich wurde. Nach den Worten des Jury-Mitglieds Helmut Markwort („Focus“) hat noch keine Sitzung des Gremiums so lange gedauert, wie die zur Entscheidung für die Kategorie „investigative Recherche“.

Die Nominierten erfüllten die Kriterien Rechercheleistung und gesellschaftliche Bedeutung der Recherche, erläuterte Markwort. Dreimal habe die Jury abgestimmt, dreimal habe es ein Patt gegeben, sagte Markwort. Deshalb sei die Entscheidung für zwei Preisträger gefallen. Die „SZ“-Ablehnung gelte es zu respektieren, sagte Jury-Mitglied Ines Pohl („taz“).

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„Der letzte Saurier“ und „Eine Bombenidee“ ausgezeichnet

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  • Die SZ-Kollegen haben den inneren und äußeren Anstand gewahrt, als sie die Preisauszeichnung mit der bildzeitung abgelehnt haben. Weiter so. lw.

  • Es wäre doch mal an der zeit eine wirkliche recherche zu betreiben
    und den fall wulff nochmal gründlich zu durchleuchten wieso weshalb warum herr wulff so nieder gemacht wurde welche intressen waren dahinter
    es gibt wahrlich sehr viel schlimmere politiker die aktuell noch im amt sitzen bei denen auch nicht alles rechtmäßig abläuft
    so wie bei herrn wulff müßte über alle politiker recherchiert werden
    es mag sein das dabei nichts rauskommt aber ich würde mich wundern ;-)

    meinen respekt an herrn prantl
    das nenn ich pressefreiheit

  • Herr Leyendecker, Quod licet Iovi, non licet bovi!

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