Herbert Kloiber
Mit dem „Seewolf“ ins globale Mediengeschäft

Herbert Kloiber hat es geschafft. Der Medienunternehmer steht auf dem vorläufigen Zenit seines Schaffens. Sein Handwerk lernte er bei Leo Kirch. Die beiden verstanden sich blendend. Doch dann kam es zum Bruch. Ein Porträt.

MÜNCHEN. Von seiner silbergrauen, 36 Meter langen Luxusyacht "YII" im malerischen Hafen von Cannes schlendert der Medienunternehmer Herbert Kloiber nur wenige Meter zum Strand an der Croisette. Hier zeigt Deutschland größter Filmrechtehändler sein neuestes Lieblingsprojekt, den Vierteiler "Seewolf". Zusammen mit Hauptdarsteller Sebastian Koch ("Stauffenberg") als Kapitän Wolf Larsen präsentiert der 62-jährige Wiener das Produkt für das Weihnachtsfernsehen in diesem Jahr. Er genießt die Neugierde seiner vielen Gäste. Senderchefs sind dabei, Programmdirektoren, Filmregisseure und Schauspieler.

Für Kloiber, dem Veteranen von Cannes, ist der "Seewolf" eine Wiederkehr. Denn ganz am Anfang seiner Karriere, im Jahre 1977 hat er bereits mit der ersten Verfilmung viel Geld verdient. Der Vierteiler unter der Regie des legendären Wolfgang Staudte und Sergiu Nicolaescu war schon damals ein Publikumserfolg. Heute - 32 Jahre später - steht Kloiber im Zenit seines Schaffens. Unter dem Dach der 1977 erworbenen Tele-München hat er ein Konglomerat von Medienfirmen geschaffen, das die komplette Wertschöpfungskette abdeckt. Er produziert Filme wie "Brandner Kaspar" oder "Das fliehende Pferd", besitzt Deutschlands größte Filmbibliothek, verkauft Rechtepakete großer Hollywood-Studios, vertreibt DVDs und überträgt Opern in Filmtheater.

Darüber hinaus ist er an Fernsehsendern wie RTL 2 beteiligt. Kanäle wie Tele 5 oder ATV (Österreich) gehören ihm komplett. Außerdem beherrscht er die Kinokette Cinemaxx und den Technik-Dienstleister Cinemedia. Im vergangenen Jahr erwirtschafte Kloiber einen Umsatz von 283 Mio. Euro. Zum Gewinn macht er keine Angaben.

Der Hansdampf in allen Gassen des Mediengeschäfts lernte sein Handwerk bei Leo Kirch. Die Liebe zur klassischen Musik verband die Beiden. Kirch machte Kloiber schnell zum Chef seiner Klassikfirma Unitel. Doch Kloiber wollte mehr als nur Angestellter sein. 1976 kam es zum Bruch mit Kirch. Die beiden Granden haben sich nie mehr versöhnt. Obwohl ihre beiden Büros in der Münchener Innenstadt nur wenige Minuten auseinander liegen.

Vor 33 Jahren heiratete Kloiber Ursula Reuther, zweite Ehefrau des Unternehmers Friedrich Karl Flick. Mit ihr lebt er am Starnberger See und Fuschl am See. Kloiber gilt wie sein einstiger Vorgesetzter als charmanter, aber auch gerissener Dealmaker. Der lebensfrohe Unternehmer kennt keine Rücksicht, wenn es um ein lukratives Geschäft geht. So hatte er vor fünf Jahren seinem früheren Angestellten, dem heutigen RTL-Chef Gerhard Zeiler, ein 200 Mio. Euro teures Filmpaket des Hollywood-Studios Warner Bros. vor der Nase weggeschnappt.

Kloiber ist der Meister des Rechtehandels. In sechs Sprachen kann der Unternehmer verhandeln. In Hollywood ist er eine Größe. Im Beverly Wilshire Hotel, dem Fünf-Sterne-Haus, das einst als Kulisse für das Filmmärchen "Pretty Woman" diente, ist er Stammgast. Sein Netzwerk ist lückenlos. Disney-CEO Robert Iger, Warner-Bros.-Chef Jeffrey Schlesinger oder Medienmogul Haim Saban - bei den Großen geht er ein und aus. Die Branche weiß: Kloiber hält Wort. Ein Handschlag und das Geschäft ist besiegelt. Das zählt gerade in der Wirtschaftskrise.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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