Hinweis auf Liquiditätsprobleme
Tiscali streitet mit Wirtschaftsprüfern

Der italienische Internetanbieter Tiscali liegt im Streit mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Die Prüfer haben die Kontinuität des Unternehmens angezweifelt. Hintergrund sind Tiscalis ernsthafte Liquiditätsprobleme.

MAILAND. Das Unternehmen mit Sitz in Cagliari auf Sardinien verhandelt derzeit mit den Banken über eine Stundung der Zinszahlungen. Insgesamt hat das Unternehmen langfristige Bankkredite von 500 Mio. Euro.

Ernst & Young hat sich geweigert, eine Bewertung der Bilanz des vergangenen Jahres abzugeben. Grund: Die Wirtschaftsprüfer seien sich nicht sicher, ob das Unternehmen sein Geschäft weiterführen kann. Zunächst müsse ein Abkommen mit den Banken zur Restrukturierung der Schulden vorliegen.

Tiscali hat auf Anfrage der Börsenaufsicht bekannt gegeben, die Banken hätten sich formal bereiterklärt, die Stillhaltefrist bis zum 31. Dezember 2009 zu verlängern. Dieser Brief liege auch Ernst & Young vor. Die Verlängerung garantiere die Kontinuität des Geschäfts für den Zeitraum, die Wirtschaftsprüfer seien daher durchaus in der Lage, eine Bewertung abzugeben.

Für Tiscali, das im vergangenen Jahr 243 Mio. Verlust geschrieben hat, ist die Weigerung der Wirtschaftsprüfer ein weiterer Schlag nach dem geplatzten Verkauf der britischen Tochter im März.

Der ehemalige Shooting-Star des Dotcom-Booms hat sich in den vergangenen Jahren bereits mit seiner europaweiten Expansion verkalkuliert. Zwischen 2001 und 2003 ist das 1998 gegründete Unternehmen auf Großeinkauf in Europa gegangen. Nach der Übernahme der niederländischen World Online war das Unternehmen zum größten alternativen Internet-Anbieter Europas mit Töchtern in 15 Ländern aufgestiegen. Doch Synergien blieben aus.

Tiscali geriet vor vier Jahren schon einmal in Liquiditätsprobleme, als die Rückzahlung einer 200 Mio. Euro schweren Anleihe anstand. Nach und nach trennte sich das Unternehmen von seinen Auslandsaktivitäten, bis nur noch Italien und Großbritannien übrig geblieben sind. Zuletzt wollte Tiscali die britische Tochter abgeben, doch der Verkauf an den Bezahlsender BSkyB scheiterte. Tiscali blieb auf seinen Schulden sitzen. Die Zinszahlungen hat Tiscali im März wegen mangelnder Liquidität eingestellt. "Die finanzielle Lage ist eindeutig gefährlich", schreibt Andrea Devita, Analyst der Banca Akros. Die Perspektiven des Unternehmens seien in der Hand der Banken. Bis Ende des Jahres will Tiscali seine Schulden refinanziert haben. Der Aktienkurs von Tiscali verlor gestern bis zu sechs Prozent.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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