Höhere Grundgebühren gleichen Einbußen durch Ortsnetzwettbewerb aus
Telekom will Internet-Turbo DSL antreiben

Die Deutsche Telekom hat bisher mehr schnelle Internet-Zugänge über die DSLTechnik verkauft als erwartet. Josef Brauner, Chef der Festnetzsparte, hat daher das Ziel für dieses Jahr angehoben: 4,2 Millionen DSL-Anschlüsse werde die Telekom bis zum Jahresende absetzen.

slo DÜSSELDORF. Bisher ging Brauner von 4 Millionen aus, doch das Ziel sei mit 3,9 Millionen jetzt schon fast erreicht, sagte er gestern im Berlin. Bis zum Jahr 2010 will das Unternehmen 15 Millionen DSL-Anschlüsse vermarkten.

Der Internet-Turbo DSL ist der Wachstumstreiber im Telekom-Festnetzgeschäft, das insgesamt eher stagniert. Der Konzern forciert daher den Verkauf dieser Anschlüsse. Mit wachsenden DSL-Umsätzen könnte die Telekom beispielsweise Einbußen durch den verstärkten Wettbewerb im Ortsnetz ausgleichen.

Dort rechnet das Unternehmen damit, dass zum Jahresende 20 % der Gesprächsminuten über die Konkurrenten abgewickelt werden. Seit April können Kunden Ortsgespräche über das Netz der Wettbewerber führen, ohne ihren Telefonanschluss bei der Telekom kündigen zu müssen. Das funktioniert über eine feste Voreinstellung am Telefon (Preselection) oder über die Wahl einer bestimmten Vorwahl vor jedem Telefonat (Call-by-Call). Laut Brauner haben bislang mehr als 700 000 Telekom-Kunden Preselection beantragt.

Die beiden Angebote Preselection und Call-by-Call sind bei Ferngesprächen bereits seit Öffnung des Marktes in 1998 üblich – mit der Folge: Die Telekom hat in dem Segment deutlich Marktanteile verloren. Nach Analystenangaben wickelt der Konzern derzeit 60 % der Ferngespräche ab.

Bei Ortsverbindungen erwarten die Experten geringere Einbußen. Ein Marktanteil von 20 bis 25 % sei für die Wettbewerber drin. „Mehr nicht, da der Spielraum für Preissenkungen viel geringer ist“, sagt Frank Rothauge von Sal. Oppenheim.

Mit verschiedenen neuen Sondertarifen versucht die Telekom, die Verluste im Ortsnetzgeschäft zu stoppen. Die Regulierungsbehörde wird Anfang nächster Woche bekannt geben, ob sie die neuen Tarife genehmigt. Dazu gehört der so genannte XXL-Tarif, mit dem Nutzer gegen einen monatlichen Aufschlag an Wochenenden beliebig lange telefonieren können. „Eine Genehmigung des XXL-Tarifs wäre positiv für die Telekom. Mit solchen Angeboten kann man gut von den günstigeren Preisen der Wettbewerber ablenken“, sagt Stefan Borscheid, Analyst bei der Hypovereinsbank.

Auf das Gesamtjahr gerechnet erwartet die Telekom durch die neue Konkurrenz bei Ortsgesprächen Einbußen von rund 200 Mill. Euro. Nach Ansicht von Analysten werden höhere Grundgebühren, die die Telekom den Kunden mit analogen Anschlüssen ab September in Rechnung stellt, dies aber ausgleichen.

Unterdessen könnte sich die von der Telekom geplante Übernahme der polnischen Mobilfunkgesellschaft PTC durch einen Rechtsstreit der beiden anderen PTC-Aktionäre Vivendi und Elektrim verzögern. „Aus unserer Sicht ist der Verkauf bis zum Ende des Schiedsverfahrens blockiert“, hieß es gestern bei Elektrim.

Der Telekom gehören 49 % an PTC. Die restlichen 51 %, die der Konzern für 1 Mrd. Euro kaufen will, gehören einem Gemeinschaftsunternehmen aus Elektrim und Vivendi. Elektrim hatte vor einem polnischen Schiedsgericht wegen Verletzung der gemeinsamen Holding-Vereinbarung gegen Vivendi geklagt. Der französische Konzern reichte eine Gegenklage ein. Nach Einschätzung von Analysten hofft Elektrim durch Aussagen über Verzögerungen der Übernahmen den Preis in die Höhe treiben zu können. Die Telekom will ihr Gebot bisher nicht erhöhen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%