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04.06.2008 
Spitzelaffäre

„Hoffentlich stimmt das alles nicht“

von Sandra Louven und Katharina Slodczyk

Die 1 000 Menschen vor Telekom-Chef René Obermann wollen nur eins: Antworten. Die Mitarbeiterversammlung in der Konzernzentrale ist eine der ersten Gelegenheiten für die Beschäftigten, von ihrem Chef mehr über die Hintergründe und Folgen der Spitzelaffäre zu erfahren, mit denen das Unternehmen täglich für Schlagzeilen sorgt. Doch die erhofften Antworten fallen eher kärglich aus.

Trotz beruhigender Worte von Telekom-Chef René Obermann: Die Mitarbeiter sind verunsichert und wütend. Foto: dpaLupe

Trotz beruhigender Worte von Telekom-Chef René Obermann: Die Mitarbeiter sind verunsichert und wütend. Foto: dpa

BONN. "Lassen sie uns daran arbeiten, dass sich diese Dinge nicht wiederholen" appellierte Telekom-Chef René Obermann am Mittwoch auf der Mitarbeiterversammlung an die Beschäftigten. Das Management werde alles tun, um die Sache aufzuklären, so Obermann weiter.

Doch das ändert nur wenig daran: Die Mitarbeiter sind verunsichert und wütend. Und irgendwie verstehen sie die Welt nicht mehr. "Als ich von all den Vorwürfen gehört habe, dachte ich nur: Hoffentlich stimmt das alles nicht", berichtet ein Mitarbeiter. Sein Kollege ergänzt: "Das Vertrauen unserer Kunden, dass wir keinen Mist mit deren Daten bauen, sie nicht ausspionieren, war stets unser großes Kapital. Jetzt haben einige Herren da oben einiges getan, um dieses Kapital aufs Spiel zu setzen."

Ein weiterer Mitarbeiter erregt sich: "Was sollen wir den Kunden sagen, wenn die uns auf die Stasi-Methoden ansprechen? Da helfen einem die offiziellen Sprachregelungen nicht weiter." Und auch die beruhigenden Worte von Obermann hätten nur kurzzeitig gewirkt.

Timotheus Höttges, im Konzernvorstand für das Festnetzgeschäft zuständig, versuchte gestern ebenfalls, die Sorgen der Beschäftigten in der Telekom-Zentrale zu zerstreuen: Bislang habe der Bespitzelungsskandal keine negativen Konsequenzen auf die Geschäfte der Telekom gehabt. "Bei den Kundenzahlen sind keine Rückgänge zu verzeichnen", sagte Höttges. Allerdings, schränkte er ein, sei die Verunsicherung der Kunden in den Call-Centern spürbar.

Um die Affäre aufzuklären und die Vorwürfe aus der Welt zu schaffen, hat die Telekom vergangene Woche dem früheren Bundesrichter Gerhard Schäfer als einen zweiten Chef-Aufklärer an Bord geholt. Schon im vergangenen Jahr hat das Unternehmen den ehemaligen Vize des Bundeskriminalamtes (BKA), Reinhard Rupprecht, als neuen Vorstandsbeauftragten für die Unternehmenssicherheit engagiert.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Telekom-Sicherheitsabteilung im Fokus der Ermittler

Diese Funktion schuf Obermann im vergangenen Jahr, nachdem er erfahren hatte: Mitarbeiter der Abteilung Sicherheit ließen 2005 und 2006 Telefonverbindungsdaten zwischen einem Aufsichtsrat und einem Journalisten überprüfen und verstießen gegen das Fernmeldegeheimnis. Der Vorfall wurde vor eineinhalb Wochen bekannt. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Parallel dazu sollen die Aufklärer Rupprecht und Schäfer die internen Prozesse des Konzerns unter die Lupe nehmen. Wo lässt sich das Sicherheitskonzept der Telekom verbessern? Wo gibt es Missbrauchsmöglichkeiten? Wie lassen sie sich abstellen? Das sind einige der Fragen, die die Beauftragten beantworten sollen.

Rupprecht sei dabei vorrangig für das Tagesgeschäft zuständig, heißt es im Konzern. So habe er bereits Vorschläge entwickelt, wie der Einkauf von Sicherheitsdiensten verbessert werden kann, welche Kriterien bei einer Ausschreibung eine Rolle spielen sollten. "Schäfer dagegen ist eher für die grundsätzlichen Strukturen zuständig, dafür von ganz oben auf die Prozesse zu schauen und neue Konzepte zu entwickeln", heißt es.

Im Mittelpunkt der Arbeit beider Ermittler steht die Telekom-Sicherheitsabteilung. Mitarbeiter dort haben möglicherweise zu eigenständig gehandelt.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Ausgerechnet Rupprecht und Schäfer

Ursprünglich war dieser Bereich dem Personalvorstand unterstellt. Obermann hat das Ressort übernommen, als er Ende 2006 an die Spitze der Telekom wechselte. "Er hat die Abteilung stärker kontrollieren wollen, weil er hörte, dass da einiges passiert, was ihm nicht ganz geheuer war", heißt es in Konzernkreisen. Offiziell lautet die Begründung: "Obermann hat die Abteilung übernommen, um den Personalvorstand zu entlasten, als zwischenzeitlich die Bereiche Personal und Finanzen in Personalunion geführt wurden." Inzwischen ist die Konzernsicherheit Festnetzvorstand Höttges unterstellt.

Die Telekom erklärt dies so: "Die meisten Aufgaben der Abteilung sind dort zu erledigen." So seien die Sicherheitskollegen etwa für die Klärung interner Vergehen zuständig, und da die Festnetzsparte die meisten Mitarbeiter habe, gebe es da auch die meisten solcher Vorfälle.

Um Verantwortung und Kontrolle für das, was in der Abteilung passiert, auf mehrere Schultern zu verteilen, hat die Telekom auch Rupprecht eingeschaltet.

Kritiker des Vorgehens frotzeln darüber, das ausgerechnet Rupprecht und auch Schäfer, zwei Männer im Rentenalter, nun für Recht und Ordnung der Telekom sorgen sollen. In Konzernkreisen heißt es jedoch, gerade das Alter sei ein Vorteil. "Sie können für solche Jobs niemanden nehmen, der noch Karriere machen will", sagte ein Manager. Dabei seien Besonnenheit und Erfahrung gefragt.

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