Hohe Nachfrage nach Prozessoren
Chiphersteller Intel profitiert von virtuellen Rechnern

Auf den ersten Blick ist die Virtualisierung ein schwerer Schlag für die IT-Branche. Denn durch die neue Technik lässt sich ein Computer virtuell in mehrere eigenständige Rechner unterteilen. So brauchen die Betreiber von Rechenzentren letztlich weniger Maschinen. Trotzdem klettert der Absatz der Netzwerkrechner. Der weltgrößte Chiphersteller Intel wittert ein gutes Geschäft.

MÜNCHEN. „Immer mehr Unternehmen kaufen neue Server, damit sie die Virtualisierung nutzen können“, sagt Thomas Kilroy, Chef des Firmenkundengeschäfts von Intel. Der weltgrößte Chiphersteller wittert ein gutes Geschäft. Denn Intel dominiert den Markt für Prozessoren. Diese Halbleiter sind das Gehirn eines jeden Rechners und bekommen nun neue Funktionen verpasst, um die Virtualisierung zu unterstützen. Neben Intel gibt es mit AMD nur noch einen weiteren großen Anbieter von Prozessoren.

Nach Ansicht der Marktforscher von Gartner wird die Virtualisierung einer der ganz großen Trends in der IT-Branche im kommenden Jahr. Denn so könnten die Unternehmen ihre Kosten senken und würden flexibler. Das Prinzip, das dahinter steckt, ist einfach: Ein Programm simuliert einen Rechner mit eigener Festplatte, Arbeitsspeicher und Netzwerkanschluss. Die Ressourcen eines Servers werden dabei flexibel auf diese virtuellen Rechner aufgeteilt. Damit sollen die Geräte besser ausgelastet werden.

Intel und AMD sind voll auf diesen Trend eingestellt und haben ihre neuesten Prozessoren für die Virtualisierung ausgelegt. „Es ist wichtig, dass die Chips die Virtualisierung unterstützen“, sagt Joseph Reger, Technikvorstand des Münchener Computerproduzenten Fujitsu Siemens. „Denn dadurch werden die Server erst richtig leistungsfähig.“ Derzeit werden Server in den meisten Rechenzentren nur für wenige Momente voll genutzt, den Rest der Zeit liegen sie weitgehend brach.

Die neuen Prozessoren erlauben es zum Beispiel, mehrere Betriebssysteme und Anwendungen über einen einzigen Chip laufen zu lassen. Für die Betreiber von Servern hat das viele Vorteile. Wenn sie etwa ein neues Betriebssystem einsetzen, müssen sie nicht extra einen weiteren Server kaufen.

Für AMD und Intel hat die Virtualisierung einen weiteren Vorteil: Es ist ein Grund, neue Prozessoren in den Markt zu drücken. Früher wurden die Halbleiter mit jeder Generation schneller. Damit stießen die Konzerne an Grenzen, weil die Prozessoren extrem heiß wurden. Vor zwei Jahren rückte dann das Thema Stromsparen in den Vordergrund. Jetzt gibt es ein zusätzliches Verkaufsargument.

Das Geschäft mit Servern läuft wie geschmiert. Im zweiten Quartal kletterten die Umsätze weltweit um mehr als fünf Prozent, die Stückzahlen dagegen nur um knapp drei Prozent. Das heißt: Die Kunden geben mehr Geld für jeden einzelnen Server aus. Das hat aber nicht nur mit Neuanschaffungen wegen der Virtualisierung zu tun. Nach Ansicht der Gartner-Experten wird rund um die Erde mehr Rechenleistung benötigt.

„Mit der Virtualisierung stehen wir noch ganz am Anfang“, sagt Intel-Manager Kilroy. Neben den Servern könnten künftig auch gewöhnliche Büro-PCs künstlich aufgeteilt werden, unterstrich der Amerikaner. So könnte etwa die IT-Abteilung nicht benötigte Rechenleistung nutzen, um andere Aufgaben zu bearbeiten. Dasselbe gelte für Speicherkapazitäten, die ebenfalls virtuell unterteilt werden könnten.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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