Hoher Marktanteil einheimischer Produktionen
Deutsche Filme retten Kinojahr 2006

Ende 2006 dürfte die Zuschauer- und Umsatzbilanz der deutschen Kinos freundlicher aussehen als im katastrophalen Vorjahr 2005. Dies ist allerdings nicht Hollywood, sondern allein den Erfolgen einheimischer Produktionen zu verdanken.

HB FRANKFURT. Mit einem derzeitigen Marktanteil, der deutlich über 20 Prozent liegt, sorgt der deutsche Film ganz allein für den sehnlich erhofften Aufschwung an den Kassen. Das ist nicht zuletzt das Verdienst von Kinohits wie „Das Parfum“ und Sönke Wortmanns „Deutschland - ein Sommermärchen“.

Dieser interne Rückblick auf die Leistung der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land ist der erhoffte Publikumsmagnet geworden, wofür bereits nach wenigen Tagen über eine Million Zuschauer gesorgt haben. Inzwischen sind es noch viel mehr geworden. Und es ist gut möglich, dass der Film mit den Jungstars Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger in den nächsten Wochen auch jene sagenhaften vier Mill. Besucher erreicht, die jetzt schon in der Literaturverfilmung „Das Parfum“ von Tom Tykwer und Bernd Eichinger waren.

Mit einer so großen Resonanz war nicht unbedingt zu rechnen, doch offenbar besteht ein verbreitetes Interesse an anspruchsvollen Filmen und Themen. Davon hat im Frühjahr schon der beste deutsche Film des Jahres, Florian Henckel von Donnersmarcks Stasi-Drama „Das Leben der Anderen“ profitiert, das sich 21 Wochen in den Kinos behauptete und in diesen über 1,4 Mill. Zuschauern vor die Leinwände lockte. Der Film wurde von Deutschland für den Auslands-Oscar nominiert und inzwischen an mehr als 30 Länder verkauft. Mehr als eine Million Besucher verzeichneten auch die auf das kindliche und frühjugendliche Zielpublikum ausgerichteten Streifen „Die wilden Kerle 3“ und „Die wilden Hühner“.

Debütfilm um Jugend in Bayern Sensationserfolg

Das allerdings waren Produktionen, deren Erfolg sich voraussehen ließ, ebenso die rund zwei Mill. Kinogänger die Hörspiel-Verfilmung von „Hui Buh - Das Schlossgespenst“ mit dem originalen wie dem computeranimierten Bully Herbig. Viel überraschender und deshalb besonders erfreulich waren die Erfolge von Andreas Dresens Frauen- und Berlinmelodram „Sommer vorm Balkon“ mit knapp 900 000 Besuchern und die geradezu sensationellen bislang 760 000 Zuschauer von „Wer früher stirbt ist länger tot“. Der Debütfilm von Marcus Rosenmüller über eine Kindheit in einem bayerischen Dorf setzte sich ganz ohne große Reklame und PR-Rummel beim Publikum durch.

Damit ist er schon fast gleichauf mit der spektakulären Romanverfilmung „Elementarteilchen“, die trotz Staraufgebot zu den deutschen Produktionen gehört, die nicht die hohen Erwartungen einlöste, die mit ihnen verbunden waren. Zu diesen zählt übrigens auch Margarethe von Trottas Psychothriller „Ich bin die Andere“, der an den Kassen völlig floppt. Aber dieses Schicksal war in diesem Jahr auch etlichen Hollywood-Filmen beschieden.

Das deutsche Publikum akzeptiert keineswegs mehr bereitwilligst, was den Gütesiegel der kalifornischen Traumfabriken trägt. Gleichwohl werden die 8,5 Mill. Besucher für „Ice Age zwei - Jetzt taut's“ und die über fünf Mill. für „The Da Vinci Code - Sakrileg“ wohl nur noch von dem Ende November startenden neuen James Bond-Abenteuer „Casino Royale“ übertroffen werden können. Am herausragenden Ergebnis des deutschen Films im Jahr 2006 wird das nichts mehr ändern, die gelungene Mischung von Kunst und Kommerz hat die Kinogänger hier zu Lande überzeugt.

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