Hoher Quartalsverlust
BenQ startet hartes Sparprogramm

Der taiwanische Elektrokonzern BenQ ist wegen hoher Verluste im Handygeschäft tief in die roten Zahlen gerutscht. Vor diesem Hintergrund verteidigt Konzernchef Lee seine Entscheidung die deutsche Tochter BenQ Mobile aufzugeben. Der ganze Konzern muss ein hartes Sparprogramm über sich ergehen lassen.

HB TAIPEH. Nach der Insolvenz seiner deutschen Tochter soll das Mobiltelefongeschäft künftig aus Asien heraus geführt werden. „Wir glauben, dass die Zukunft des Mobiltelefonmarktes in den aufstrebenden Ländern liegt“, sagte Konzernchef K.Y. Lee am Dienstag auf einer Investorenkonferenz. „Wir werden uns weiterhin vor allem auf Europa und Asien konzentrieren, aber wir haben in Europa unser Geschäft heruntergefahren.“ Die Handyproduktion werde um 60 Prozent gedrosselt. Auch bei der Entwicklung und beim Marketing von Handys will BenQ künftig gut 90 Prozent der Ausgaben sparen.

Von Juli bis September verbuchte der Konzern einen Verlust von 367 Mill. $ (umgerechnet 292 Mill. Euro). Analysten hatten nur mit einem halb so hohen Fehlbetrag gerechnet. BenQ schrieb damit zum vierten Mal in Folge rote Zahlen im Quartal. Im dritten Quartal 2005 hatte das Unternehmen, das vom Computerkonzern Acer abgespalten worden war, noch einen Gewinn von gut einer halben Million Dollar eingefahren.

Der weltweit sechstgrößte Handyproduzent hatte seiner deutschen Tochter Ende September den Geldhahn zugedreht und sie damit in die Pleite geschickt. Nur ein Jahr zuvor hatte BenQ das Mobiltelefongeschäft von Siemens übernommen. Seit dem Zusammenbruch haben 1900 der 3000 BenQ-Mobile-Mitarbeitern in Deutschland ihre Stelle verloren.

Lee verteidigte seine Entscheidung, die deutsche Tochter aufzugeben. „Im Juni und Juli haben wir realisiert, dass wir allein in einem Jahr mehr als 800 Mill. Euro verloren haben, was unsere Erwartungen weit übertraf. Und wir konnten das nicht mehr länger tragen“, sagte er. „Wir mussten eine Entscheidung treffen und müssen noch viel aufräumen. Aber der Vorstand entschied, dass das der beste Weg für unsere Investoren ist.“

Die hohen Verluste von BenQ Mobile seien auf Verspätungen bei der Markteinführung der Apparate und Managementfehler in München zurückzuführen gewesen, sagte Lee. „Die Produktion ist in Asien flexibler, wo wir die meisten unserer Produkte selbst herstellen. Das lässt uns die Zeitspanne von der Entwicklung bis zur Marktreife unserer Geräte verkürzen.“ BenQ will sich auch aus Lateinamerika zurückziehen und dort seine Werke schließen.

Ob BenQ überhaupt noch Handys produzieren kann, ist derzeit offen. Nach Aussagen des Insolvenzverwalters der deutschen BenQ Mobile, Martin Prager, liegt der Großteil der Patente in Deutschland. Die Taiwaner hätten derzeit darauf keinen Zugriff.

Während das Handygeschäft von BenQ auch im Gesamtjahr einen hohen Verlust und kräftige Umsatzeinbußen bringen dürfte, soll der Umsatz mit LCD-Flachbildschirmen nach Firmenangaben im Schlussquartal ansteigen. Neben Handys und Bildschirmen stellt BenQ Computerteile für Dell und Hewlett-Packard sowie Digitalkameras und Laptops mit eigenem Logo her.

Die Insolvenz in Deutschland hatte auch Zulieferern von BenQ stark zugesetzt. Zu ihnen gehören Infineon, Rohwedder und der Handyschalen-Hersteller Balda.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%