Hollywood extrem
Wenn deutsche TV-Manager in Los Angeles einkaufen

Früh aufzustehen ist Guillaume de Posch, Vorstandschef der Senderfamilie Pro Sieben Sat 1, auch in Hollywood gewohnt.

LOS ANGELES. Am frühen Morgen sitzt der TV-Manager im subtropischen Garten des Chateau Marmont beim kärglichen Frühstück meist noch allein. De Posch genießt die Ruhe in der angestaubten Luxusherberge unweit der großen Hollywood-Studios. Denn danach wartet ein Bildermarathon auf ihn. L.A. Screenings steht auf dem Programm, die größte Filmmesse der Welt, jeden Tag präsentiert ein anderes Hollywood-Studio seine neuen Fernsehserien.

Dabei ist L.A. Screenings einer der seltsamsten Branchentreffs der Welt. Keine Messehallen, keine Pressekonferenz, keine Wegweiser. Öffentlichkeit ist in Hollywood unerwünscht. Zutritt haben nur die wirklich Mächtigen im Fernsehgeschäft. Aus Deutschland sind es diesmal de Posch, RTL-Chef Gerhard Zeiler, Filmhändler Herbert Kloiber, Premiere-Programmchef Hans Seger. Disney, Warner, Universal oder MGM, sie bleiben mit ihren 1 200 Kunden, die aus allen wichtigen Ländern der Welt in die Zehn-Millionen-Stadt reisen, am liebsten unter sich. Nach Sprachen sortiert, werden kleine Gruppen zu den Präsentationen geladen. Den Einkäufern werden Häppchen und Coca-Cola gereicht. Erst am Abend ist Party-Zeit in Hollywood. Und es gibt viel zu feiern.

Denn in den Studios herrscht grenzenloser Optimismus. „Wir sind sehr bullish für die Zukunft“, sagt Disney-Fernsehchefin Laurie Younger und lacht in ihrem Büro mit Blick über die Disney-Studios in Burbank, nördlich von Los Angeles. „Natürlich haben wir auch ein wenig Glück, gleich drei Erfolgsserien zu haben.“ Mit „Desperate Housewives“, dem Verschollenendrama „Lost“ und der Klinikserie „Grey’s Anatomy“ landete der Mickymaus-Konzern weltweit Quotenerfolge.

Für Disney, die anderen Studios und die TV-Sender ist die Programm-Messe Ende Mai einer der wichtigsten Termine im Jahr. „Das Filmgeschäft ist wie ein Warenhaus. Hier kommt es darauf an, welches Sortiment man ins Regal stellt“, sagt Kloiber, der wie kein Zweiter den Rechtehandel kennt. Offizielle Zahlen gibt es im undurchsichtigen Filmgeschäft zwar nicht. Hollywood-Veteran Kloiber schätzt aber, dass allein die deutschen Sender zusammen rund eine Milliarde Dollar in diesem Jahr für US-Ware ausgeben.

Seite 1:

Wenn deutsche TV-Manager in Los Angeles einkaufen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%