Hollywood-Studios wollen DVDs kurz nach dem Leinwandstart herausbringen - Filmtheater fürchten um Existenz
Filmkonzerne setzen Kinos unter Druck

Die Filmstudios wollen ihr hoch profitables DVD-Geschäft auf Kosten der Kinos ausbauen. Neuester Vorschlag einiger Filmverleiher: Kinofilme sollen schon kurz nach dem Leinwandstart auf DVD und Video erscheinen. Die deutsche Kinowirtschaft trifft diese neue Vermarktungsstrategie zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

DÜSSELDORF/LOS ANGELES. Die Einnahmen der Filmtheater gehen angesichts der schlechten Konjunktur und der scharfen DVD-Konkurrenz seit Jahren zurück. Daher wehren sich die Kinobetreiber mit Vehemenz gegen die neuen Pläne. Sie sehen ihre Häuser in Gefahr.

Der Druck auf die Kinos ist groß. Filmkonzerne wie Warner, Sony und Disney sehen erhebliches Potenzial im DVD-Geschäft. Nach einer Erhebung der Motion Picture Association (MPA) stiegen die Umsätze der Konzerne in diesem Bereich im vergangenen Jahr weltweit um zehn Prozent. Mit solchen Wachstumsraten kann nur noch das Fernsehgeschäft mithalten.

Im Gegensatz zu den USA ist in Deutschland die Vermarktung der Filme gesetzlich geregelt. Filme, die öffentlich gefördert wurden, sind bislang sechs Monate exklusiv dem Kino vorbehalten. „Dieses Gesetz muss fallen, weil es deutsche Filme benachteiligt“, sagt Thomas Peter Friedl, Vorstandsmitglied der Constantin Film AG. Ideal sei ein Kino-Zeitfenster von drei Monaten. Sony will hingegen vier Monate nicht unterschreiten. Ein gleichzeitiger Start auf Leinwand und DVD wie er in den USA diskutiert wird, sei nicht sinnvoll, sagt Deutschland-Verleihchef Martin Bachmann.

Einig sind sich die Filmfirmen in einem Punkt: Ein früherer Verkaufsstart der DVD sei aus Konsumentensicht notwendig. Doch den Verleihern geht es nur vordergründig um die Kunden. Sie setzen darauf, mit dem nahezu zeitgleichen Start von Kino und DVD den Raubkopierern die Geschäftsgrundlage zu entziehen. Trotz erster Erfolge im Kampf gegen die DVD-Piraterie ist die Nervosität bei den Rechteinhabern groß. Es gibt aber noch einen weiteren Vorteil: Durch kürzere Verwertungszeiten können die Filmfirmen ihre Produktionskosten deutlich früher wieder einspielen. Außerdem sparen die Studios bei der zeitgleichen Werbung für Kino und DVD viel Geld. Große Hollywood-Studios wie Universal, Disney, Warner, Sony und Fox produzieren drei Viertel aller in Deutschland gezeigten Kinofilme.

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