Holtzbrinck trennt sich von Hauptstadt-Verlag
Finanzinvestoren kaufen „Berliner Zeitung“

Die Verlagsgruppe Holtzbrinck verkauft den Berliner Verlag an eine angloamerikanische Investorengruppe. Das Geschäft hatte im Vorfeld für Unruhe gesorgt.

HB BERLIN. Die amerikanische Investorengruppe Veronis Suhler Stevenson (VSS) und die britische Mecom-Gruppe übernehmen den traditionsreichen Verlag, in dem unter anderem die „Berliner Zeitung“ erscheint. Das teilten die beteiligten Verlage sowie die Mecom am Dienstag mit. Der Kaufvertrag sei am Montagabend unterzeichnet worden.

Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrink, zu der auch das „Handelsblatt“ und die „Zeit“ gehören, trennt sich von dem Berliner Zeitungshaus aus kartellrechtlichen Gründen. Zum Berliner Verlag mit seinen 400 Mitarbeitern gehören ferner der „Berliner Kurier“ sowie das Stadtmagazin „tip“. Das Unternehmen schreibt solide Gewinne.

Für den Kaufpreis, den die britische Zeitung „Independent“ in ihrer Dienstagausgabe auf 100 Millionen Pfund (147,6 Millionen Euro) bezifferte, gab es zunächst keine Bestätigung. Am Vormittag wurde im Verlag eine Betriebsversammlung angesetzt.

In der Presseerklärung hieß es, das ehemalige Bertelsmann- Vorstandsmitglied Gerd Schulte-Hillen werde im Aufsichtsrat sitzen. Der künftige Aufsichtsratsvorsitzende, Mecom-Chef David Montgomery, betonte: „Wir haben großen Respekt vor der deutschen Zeitungsindustrie und wissen, dass der Berliner Verlag ein solides Unternehmen ist. Wir werden die stolzen Hüter der Publikationen des Berliner Verlages sein und die höchsten Standards journalistischer Qualität, verlegerischer Integrität und guten Managements einhalten.“ Er habe dem Chefredakteur der „Berliner Zeitung“, Uwe Vorkötter, angeboten, in seiner Position zu bleiben. Vorkötter hatte öffentlich den Verkauf an die Investoren abgelehnt.

Mecom-Chef David Montgomery rechnet innerhalb von vier Wochen mit der Genehmigung des Verkaufs durch das Bundeskartellamt, sagte er bei einer Telefonkonferenz in Berlin. „Das Konsortium betrachtet die Akquisition als langfristiges strategisches Investment und beabsichtigt, den Verlag wirtschaftlich zu stärken“, hieß es in der Mecom-Mitteilung.

Gegen den Einstieg von Montgomery beim Berliner Verlag regt sich seit einigen Tagen massiver Widerstand. Der Chefredakteur der „Berliner Zeitung“, Uwe Vorkötter, befürchtete im Vorfeld, dass durch die Mecom-Gruppe das journalistische Angebot und Profil der Tageszeitung zerstört wird. Der Betriebsrat sowie Mitarbeiter rechnen ferner damit, dass die neuen Investoren das Printhaus zerschlagen, um schnell die Rendite zu steigern. Sie hatten deswegen am Donnerstag in Frankfurt demonstriert.

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