Hubertus Porschen
Jungunternehmer fordern Verkauf der Telekom-Anteile des Bundes

Hubertus Porschen reiht sich in die Liste der Kritiker der Netzausbaustrategie ein. Der Vorsitzende der Jungen Unternehmer hat den Bund dazu aufgefordert, seine Telekom-Anteile zu verkaufen. Der Konzern bleibt gelassen.

DüsseldorfAm Donnerstag sind es genau 174 Tage, die Hubertus Porschen im Amt ist. Seit dem 4. September 2015 ist er Bundesvorsitzender der Jungen Unternehmer. Dann will er auf dem Unternehmertag seiner Lobby-Organisation erklären, wie der Weg in die Digitalisierung freigemacht werden könnte. Wie er dem Handelsblatt vorab mitteilte, fordert er, dass der Bund seine Anteile an der Deutschen Telekom verkauft, um die daraus resultierenden Einnahmen „in den Breitbandausbau zu investieren und Schulden abzubauen“.

Der 33-jährige Porschen will damit ein Zeichen setzen, auch in seinem Verband, in dem sich Unternehmer und Nachfolger versammeln, die das 40. Lebensjahr noch nicht erreicht haben. Mit rund 1300 Mitgliedern, ist es die Schwesterorganisation des Verbandes der Familienunternehmer. Porschen ist nicht wie seine beiden Vorgängerinnen Marie-Christine Ostermann und Lencke Steiner Nachfolger. Er ist Mitgründer und betreibt gemeinsam mit Sebastian Buckpesch den Online-Marktplatz App-Arena.com.

Wie viele junge Unternehmer ist er darauf angewiesen, dass der Breitbandausbau vorankommt, damit er neue Techniken, die die Arbeitsprozesse verbessern und vereinfachen sollen und dafür hohe Bandbreiten brauchen, auch nutzen kann. Weil der Breitbandausbau in Deutschland hinterherhänge, macht er sich Sorgen darum, ob die heimische Unternehmenslandschaft im internationalen Wettbewerb mithalten kann. Laut OECD liege der Anteil der Glasfaserverbindungen am Breitband bei 1,3 Prozent.

Porschen kritisiert, dass in dem von der Bundesregierung aufgelegten Programm zum Breitbandausbau auch Vectoring gefördert werde. Beim Vectoring werden den Telefonkabeln aus Kupfer durch den Einsatz einer neuen Technik höhere Bandbreiten abgerungen, die aber bisher trotzdem deutlich geringer sind als bei Glasfaserkabeln. Deswegen sei Vectoring eine „Übergangstechnologie“ wie Porschen sagt. Es bestehe die „berechtigte Sorge, dass die Telekom als größter Anbieter bevorzugt wird.“ Wenn staatliche Förderung fließe, sagt Porschen, dann sollte sie nur für den Ausbau zukunftsfähiger Glasfasernetze genutzt werden.

Außerdem bestehe die Gefahr, dass der Bund zunächst den Ausbau des Vectorings fördere, um dann in wenigen Jahren erneut mit Steuergeldern den Ausbau des Glasfasernetzes zu finanzieren. Tatsächlich gehören der Telekom die Kupferkabel, mit denen das Vectoring durchgeführt wird. „Die Vermutung liegt nahe, dass der Bund als Telekomaktionär nicht unglücklich darüber ist, dass die Telekom von seinem Breitbandprogramm wahrscheinlich überdurchschnittlich stark profitieren wird – ein Schelm, wer Böses dabei denkt“, sagt Porschen.

Porschen reiht sich damit ein in die Liste der Kritiker der Netzausbaustrategie der Bundesregierung: Zu denen zählen die Wettbewerber, aber auch einige Bundesländer sowie der Chef der Monopolkommission, der Bonner Jura-Professor Daniel Zimmer.

Andreas Lämmel, CDU Bundestagsmitglied, sitzt im Beirat der Bundesnetzagentur. Er sagt, natürlich wäre es gut, wenn der Bund irgendwann einmal seine Anteile an der Telekom verkaufen würde. Aber er hält es jetzt für die falsche Idee. „Der Bund hat auch kein Geld zu verschenken, man muss sich klar sein, dass man die Aktien nur einmal verkaufen kann.“ Porschen habe aber Recht, dass der Breitbandausbau vorankommen muss.

Das Förderprogramm für den Breitbandausbau ist bereits beschlossen. Nun muss die EU-Kommission nur noch genehmigen, ob mit dem Geld auch der Vectoring-Ausbau gefördert werden darf.
Experten gehen aber davon aus, dass die Chancen für die Telekom dabei gut stehen.

Lämmel erklärt, dass sich die Telekom verpflichtet hat, eigenes Geld einzusetzen. Mögliche Wettbewerber wie Vodafone und Telefonica hätten sich noch nicht gemeldet.
Wann genau die Entscheidung fällt, ist noch offen.

Porschen rechnet damit, dass zwischen zehn und 20 Milliarden Euro bei einem Verkauf der Telekom-Anteile zusammenkämen und er rechne vorsichtig, sagt er. Der Bund hält direkt etwas mehr als 14 Prozent der Telekom-Aktien, die Förderbank KfW etwas mehr als 17 Prozent. Auf die Forderungen des Bundesvorsitzenden der Jungen Unternehmer reagiert die Telekom gelassen. Ein Sprecher sagte dem Handelsblatt: „Die Entscheidung über die Frage, was der Bund mit seinen Telekom-Anteilen macht, ist seine ureigenste als Eigentümer.“

Die Autorin ist Redakteurin im Ressort Unternehmen & Märkte. Sie erreichen sie unter: karabasz@handelsblatt.com
Ina Karabasz
Handelsblatt / Redakteurin Unternehmen & Märkte
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