IBM-Chefin im Interview
"Wir sehen in Deutschland großes Potenzial"

In Martina Koederitz steht erstmals in der hundertjährigen Konzerngeschichte eine Frau an der Spitze von IBM Deutschland. Im Interview verrät sie ihre Meinung über Frauenquoten und spricht über die Konzernstrategie.

Handelsblatt: Frau Koederitz, Sie sind im hundertsten Jahr von IBM die erste Frau an der Spitze der deutschen Landesgesellschaft …

Martina Koederitz: … jetzt kommt die Frage nach der Frauenquote!

HB: Genau! Brauchen wir eine feste Quote oder reichen die Lippenbekenntnisse der Unternehmen?

Koederitz: Ich finde es gut, wenn mehr Frauen in Führungspositionen kommen. Aber eine Quote, wie sie für die Dax-Unternehmen diskutiert wird, ist doch Augenwischerei. Und bei manchen kleinen Firmen würde man mit einer starren Quote sicher über das Ziel hinausschießen.

HB: Wie sieht es denn bei IBM aus?

Koederitz: Wir haben keine Quote, aber es gab schon 1934 die erste IBM-Berufsschule für Frauen und 1943 die erste weibliche Vizepräsidentin bei IBM in den USA. Als großes, globales Unternehmen sind wir doch ein Spiegelbild der Gesellschaft. Wir können deshalb auch nur dann erfolgreich sein, wenn wir aus allen Bereichen und Regionen der Welt Talente an uns binden - ob weibliche oder männliche.

HB: Und wie viele Frauen arbeiten bei Ihnen im Unternehmen?

Koederitz: Heute ist rund ein Viertel der IBM-Belegschaft weiblich, 18 Prozent bei den Führungskräften und zehn Prozent beim oberen Management. Unser Ziel ist es, künftig ein Drittel weibliche Talente an IBM zu binden. Wichtiger als die Quote sind allerdings der Wille des Topmanagements sowie flexible Arbeitszeiten, Teilzeitangebote und alles andere, was die Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützt.

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