IBM-Mitarbeiter
„Wir melden uns aus der Zukunft“

Ein Buch und 21 500 Autoren: Die Mitarbeiter von IBM Deutschland schreiben über "Transformation" und welche Lehren daraus zu ziehen sind. Eine davon: Veränderungen können sich lohnen.
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DÜSSELDORF. Der Flurfunk war lauter und aufgeregter als sonst an diesem 30. Januar 2008. Mehr als 20 000 Menschen fragten sich: "Was ist los? Was passiert mit meinem Job?" Die Mitarbeiter der IBM Deutschland waren in Alarmstimmung, denn ihr Chef Martin Jetter hatte am Tag zuvor beim jährlichen "Management-kick-off-Meeting" eine Revolution verkündet, die sich sogleich herumgesprochen hatte: IBM erhält eine neue Organisationsstruktur.

Künftig gebe es keine Divisionen mehr, war die Botschaft des Vorsitzenden der Geschäftsführung, keine kleinen Gesellschaften unter einem großen Dach, sondern schlicht eine Transformation des Unternehmens. "Wir melden uns aus der Zukunft", stand in einem blauen Band, den jeder Manager bekam.

Klappt man das Buch "Ändere das Spiel" nach 255 Seiten zu, weiß man nicht nur alles über diese Umwandlung des Branchenriesen zum Beratungs- und Wissensunternehmen und wie es dazu gekommen ist. Der Leser ist am Ende sogar davon überzeugt, dass es gar keine andere Möglichkeit für IBM Deutschland gab, als sich grundlegend zu verändern.

Doch garantiert war der Erfolg nicht. Denn der Entschluss, alles neu zu machen, kam, als es dem ganzen Unternehmen inklusive der deutschen IBM nach einer großen Krise wieder einigermaßen gutging. 2008 lag das Horrorjahr 1993 schon weit zurück, als der "Brontosaurus" der IT-Branche - herausgefordert von Intel und Microsoft - einen Nettoverlust von acht Mrd. US-Dollar verbuchte und die Strategen zur Zerschlagung rieten. Dieses "Nahtod-Ereignis", wie es im Buch heißt, führte zur ersten Transformationsphase im Mutterhaus. 2008 lag auch der Verkauf des PC-Geschäfts an Lenovo schon vier Jahre zurück. Warum also bei IBM Deutschland alles verändern, wenn alles gut läuft, und dazu auch noch aus eigener Initiative?

"Es geht nicht darum: Was war bisher falsch? Sondern darum: Wie machen wir es richtig gut und immer besser?" erklärte CEO Jetter seinen Leuten. Und er musste viel Überzeugungsarbeit leisten. 8 000 der insgesamt 21 500 Mitarbeiter mussten in eine andere Gesellschaft wechseln, zehn Firmen wurden umbenannt, zwei Marken eingestellt und zwei Firmen neu gegründet. Und das in fünf Monaten.

Wie es gelang, die Befürchtungen der Belegschaft zu zerstreuen, Ablehnung und Unverständnis zu überwinden - die bei Veränderungsprozessen immer kommen - und auch noch Manager wie Mitarbeiter zu Sonderschichten neben dem Tagesgeschäft zu bringen, schildert das Buch ausführlich und nachvollziehbar. Kritik wird nicht ausgespart und alle Prozesse transparent gemacht, was keine Selbstverständlichkeit ist.

"Mit der Zeit wird die Veränderung ganz normal", gibt Anja Kremer zu Protokoll. Sie ist eine der vielen IBMler, die dieses ungewöhnliche Wirtschaftsbuch geschrieben haben. Als ihr Avatar steht auf dem Cover Max Mustermann. Seine Botschaft: Es lohnt sich, sich auf Veränderungen einzulassen, auch wenn man nicht bei IBM arbeitet. Einzig die Inflation von Anglizismen und das konstante Fehlen von Bindestrichen ("IBM Mitarbeiter") stören.

Max Mustermann: Ändere das Spiel.
Murmann, Hamburg 2010
255 Seiten
24,90 Euro

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