ICN fürchtet Preiskampf und schwachen Dollar, rechnet im laufenden Geschäftsjahr aber mit schwarzen Zahlen
Siemens-Netzwerksparte bremst Euphorie

Der Siemens-Konzern erwartet weiter schwierige Marktbedingungen im weltweiten Festnetz- Geschäft. „Wir rechnen mit weiteren Herausforderungen“, sagte der Chef der Netzwerk-Sparte ICN, Thomas Ganswindt, in Athen.

ATHEN. Für Entwarnung gebe es keinen Anlass: Der ICN-Umsatz werde in diesem Geschäftsjahr voraussichtlich stagnieren, sagte Ganswindt. Der Preisverfall von über 10 % und der schwache Dollar machten ICN zu schaffen.

Der 43-jährige Siemens-Manager äußert sich damit vorsichtiger als einige seiner wichtigsten Konkurrenten. Alcatel und Cisco etwa sprechen bereits wieder von Wachstum. Ganswindt geht dagegen davon aus, dass die großen Telekommunikationsbetreiber weiterhin nur sehr zurückhaltend investieren.

Die Vorsicht sei durchaus berechtigt, sagt dazu Oppenheim-Analyst Frank Rotauge. Es sei in diesem Jahr nicht mit einem Nachfrageschub zu rechnen. Die sieben größten Tele- kom-Betreiber in Europa etwa würden in diesem Jahr lediglich 2 % mehr investieren. Besser laufe dagegen das Geschäft mit der Erstellung von Mobilfunknetzen. Diese verantwortet bei Siemens jedoch die ICN- Schwestersparte ICM.

Trotz der Skepsis über die Marktentwicklung rechnet Ganswindt im laufenden Geschäftsjahr 2003/04, das am 30. September endet, mit schwarzen Zahlen für ICN. Die Sanierung der vergangenen zwei Jahre würde nun greifen, heißt es. Im letz-ten Quartal hatte ICN ein Plus von 51 Mill. Euro erwirtschaftet. Der Finanzchef der Sparte, Michael Kutschenreuter, ließ durchblicken, dass die folgenden Quartalsergebnisse jedoch wegen des Preisdrucks eher darunter liegen dürften.

Ganswindt wurde vor zwei Jahren von Konzernchef Heinrich von Pierer als Sanierer zu ICN geholt. Die Sparte hat seitdem einen drastischen Umbau hinter sich gebracht. Gegen massiven Widerstand der Arbeitnehmer wurden rund 20 000 Arbeitsplätze gestrichen und die Zahl der weltweiten Produktionsstandorte auf 20 halbiert.

Hintergrund ist die schwere Krise der Branche: Nach dem Boom bis zum Jahr 2000 brach das Geschäft mit dem Bau von Telekommunikationsnetzen zusammen. Der ICN-Umsatz rutschte von 12 Mrd. Euro im Jahr 2000 auf nur noch 7,1 Mrd. Euro im vorigen Jahr. Allein in den vergangenen drei Jahren liefen bei ICN dadurch Verluste von zusammen rund 1,5 Mrd. Euro auf.

Im Herbst gelang Ganswindt die Rückkehr in die Gewinnzone. Wann jedoch die Renditeziele der Sie- mens-Zentrale erreicht werden, ließ Ganswindt offen: „Wir sind derzeit nicht in der Lage, einen Zeitpunkt zu nennen.“ Angepeilt wird eine Marge (Ebit im Verhältnis zum Umsatz) zwischen 8 und 11 %. Im letzten Quartal erreichte ICN gerade 3 %. Ganswindt betonte, es seien keine neuen drastischen Stellenkürzungen geplant. Aber es würden weitere Arbeitsplätze an Niedriglohnstandorte verlagert.

Wachstum sieht Ganswindt vor allem im Service-Geschäft. Auch in Asien und in den USA will Siemens seine Marktposition stärken. Heute kommen noch immer zwei Drittel des Geschäftes aus Europa.

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