Identitätsdiebstahl auf Facebook
Mein böser Zwilling

Immer wieder werden Profile in sozialen Netzwerken kopiert. Die Betroffenen sind oft ahnungslos, die Täter bleiben unerkannt. Dabei sind sich Experten einig: Dahinter steckt eine verzweigte Struktur, ähnlich der Mafia.
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DüsseldorfAn diesem Nachmittag waren die Nachrichten von Lenas (Name von der Redaktion geändert) Facebook-Freunden anders als sonst. Statt lustigen Emoticons kamen Fragen. Warum sie ein neues Profil erstellt habe? Ob sie zwei separate Accounts brauche? Das Problem: Lena hatte gar kein weiteres Profil in dem sozialen Netzwerk angelegt. Sie wurde Opfer eines Diebstahls – der ihrer Identität.

Lena ist eine von vielen Betroffenen: Immer wieder tauchen in den Nachrichtenströmen auf Facebook Warnungen von Freunden auf, in denen vor einem Fake-Profil gewarnt wird, das dem des Opfers bis aufs Foto gleicht. Oder aber die beste Freundin veröffentlicht auf einmal massenhaft Werbung, weil ihr Account gehackt wurde. Viele Nutzer sind sich über die Gefahren nicht bewusst. Sie können vom Mobbing bis zum Betrug und der Manipulation von Aktienkursen reichen. Die Täter bleiben unerkannt, für die Ermittler ist die Suche nach ihnen ein fast aussichtsloser Kampf. Und am Ende können so Schäden für ganze Unternehmen entstehen.

Lena möchte anonym bleiben. Manch einer ihrer Freunde nahm die Freundschaftsanfrage ihrer Doppelgängerin an. Sie kontaktierte die dann unter dem Vorwand ihr Handy verloren zu haben. Ohne Böses zu ahnen, folgten viele von Lenas Freunden der Bitte und schickten ihre Handynummer. Lena selbst konnte ihre Doppelgängerin nicht finden, denn die Täter blockieren oft den echten Profilbesitzer, damit sie nicht auffindbar sind.

Wie ernst das Problem ist, hat auch Facebook selbst erkannt: Wie in dieser Woche bekannt wurde, testet das größte soziale Netzwerk der Welt in Indien ein neues Feature, nachdem Profilbilder zum Beispiel nicht mehr heruntergeladen, geteilt oder kopiert werden können. Das Feature könnte dann auch in anderen Ländern ausgerollt werden.

Konkrete Zahlen gibt es indes nicht. Denn die meisten der Betroffenen würden sich gar nicht erst an die Behörden wenden, meint Alexander Geschonneck, Experte für Internetkriminalität bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG: „Aber die Bedrohungslage ist hoch und zu oft kann von kopierten Identitäten großer Schaden ausgehen.“

Der „Verein Deutschland sicher im Netz“ und TNS Infratest stellten im DsiN-Sicherheitsindex 2017 fest, dass fünf Prozent der deutschen Internetnutzer Opfer von Identitätsdiebstahl wurden. Fälle, in denen andere Personen in eigenem Namen auftraten, wie zum Beispiel in den sozialen Netzwerken und von den Nutzern selbst registriert wurden. Laut einer Bitkom-Umfrage berichtet zudem jeder vierte Internetnutzer, dass seine Zugangsdaten zu einem Online-Dienst ausspioniert worden sind. „Deutschland sicher im Netz“ warnte zuletzt Anfang Februar wieder vor vermehrten Fällen von Identitätsdiebstählen auf Facebook.

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