Iliad-Gegenofferte zu Sprint
Milliardenschlacht um T-Mobile US

Ein französischer Billig-Mobilfunker grätscht dem US-Konkurrenten Sprint überraschend in seine Pläne für den Kauf von T-Mobile US: Iliad will die Mehrheit an der Telekom-Tochter übernehmen. Die Aktie steigt sprunghaft.
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New YorkDer französische Billig-Mobilfunker Iliad plant den einstieg in den US-Markt und greift dafür überraschend nach T-Mobile US: Das Unternehmen bietet für 56,6 Prozent an der Tochter der Deutschen Telekom 15 Milliarden US-Dollar in bar, bestätigte Iliad am Donnerstag. T-Mobile US – die Nummer vier in den USA – will früheren Angaben von Insidern zufolge eigentlich mit dem US-Anbieter Sprint fusionieren, der dem japanischen Softbank-Konzern gehört. Allerdings gilt eine Zustimmung der Kartellbehörden für eine mögliche Fusion der Nummern drei und vier als durchaus fraglich. Über das Interesse von Iliad hatte am Donnerstag zuerst das „Wall Street Journal“ berichtet.

Das Illiad-Angebot entspricht einem Preis von 33 Dollar je Aktie. Die verbleibenden Anteile würden mit 40,50 Dollar je Anteilsschein bewertet. Das Unternehmen erwartet nach eigenen Angaben Einsparungen von zehn Milliarden Dollar. Iliad zufolge dürfte die Übernahme keine kartellrechtlichen Probleme aufwerfen. Es sei aber ungewiss, ob der Verwaltungsrat von T-Mobile die Offerte annehme, erklärte das Unternehmen.

Vertreter von T-Mobile äußerten sich zunächst nicht. Die Börsenreaktion hingegen folgte prompt: Die Aktie von T-Mobile legte als Reaktion bis zu neun Prozent zu, während Sprint-Papiere über sechs Prozent im Minus lagen. Die an der New Yorker Börse notierten T-Mobile-Titel hatten sich bereits im vorbörslichen US-Handel um 4,4 Prozent verteuert, nachdem das Unternehmen gute Quartalszahlen und positive Wachstumsaussichten vorgelegt hatte.

Iliad ist derzeit die Nummer vier unter den französischen Mobilfunkunternehmen. Gegründet wurde es von Xavier Niel. Er ist die fünftreichste Person des europäischen Landes, wie aus dem Bloomberg Billionaires Index hervorgeht.

Wenige Stunden zuvor hatte T-Mobile US positive Quartalszahlen vermeldet. Demnach trägt die radikale Neuaufstellung der Telekom-Tochter mittlerweile Früchte: Auch im zweiten Quartal hielt dank günstigerer Tarife der starke Kundenzustrom an, der Umsatz stieg und am Ende verdiente das Unternehmen auch wieder Geld. Unter dem Strich schrieb das einstige Sorgenkind des Bonner Konzerns, der rund zwei Drittel an der US-Tochter hält, einen Gewinn von 391 Millionen Dollar. Im Vorjahreszeitraum war noch ein Verlust von 54 Millionen Dollar angefallen.

„Wir sind stolz, der am schnellste wachsende Mobilfunkanbieter in Amerika zu sein“, erklärte Firmenchef John Legere am Sitz in Bellevue im Bundesstaat Washington. Allein im vergangenen Quartal kamen 1,5 Millionen Kunden hinzu, 908 000 davon mit den besonders lukrativen Monatsverträgen. Damit kam die Telekom-Tochter Ende Juni auf insgesamt 50,5 Millionen Kunden. Aufgrund des Erfolgs sieht T-Mobile US die Wachstumsaussichten rosiger: In diesem Jahr sollen neu bis zu 3,5 Millionen Vertragskunden dazukommen - 200.000 mehr als bislang angepeilt.

T-Mobile US war mit dem Wettbewerber MetroPCS fusioniert, um Löcher im Netz zu stopfen und besser mit den größeren Rivalen konkurrieren zu können und investierte Milliarden in den Netzausbau. Die Telekom-Tochter schaffte danach die subventionierten Handykäufe ab und senkte im Gegenzug die Tarife, eine Marketing-Offensive, um den wesentlich größeren Konkurrenten AT&T und Verizon Kunden abzunehmen. Das ganze begleitete Firmenchef Legere mit markigen Sprüchen gegen die Konkurrenz.

Um den Platzhirschen Paroli zu bieten, will der Branchendritte Sprint Insidern zufolge T-Mobile für 32 Milliarden Dollar übernehmen. Das Vorhaben dürfte aber nicht vor September umgesetzt werden. Großer Unsicherheitsfaktor könnten die Kartellbehörden sein, die einem Schulterschluss der beiden skeptisch gegenüber stehen.

Agentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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Marc Renner  Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Marc Renner
Handelsblatt / Chef vom Dienst

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