Iliad will Sprint ausstechen
Französischer Milliardär greift nach T-Mobile US

Iliad zieht an Sprint vorbei: Der französische Billig-Mobilfunkanbieter hat gute Chancen, dem amerikanischen Rivalen das US-Geschäft von T-Mobile wegzuschnappen. Die Fäden zieht einer der reichsten Franzosen.
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ParisDie Deutsche Telekom trifft mit ihrer Tochter T-Mobile US überraschend auf Interesse aus Frankreich. Neben dem amerikanischen Anbieter Sprint umwirbt der Billiganbieter Iliad den Bonner Konzern und argumentiert dabei mit den Wettbewerbsbehörden. Ein Zusammengehen von T-Mobile und Iliad dürfte keine kartellrechtlichen Probleme aufwerfen, erklärte das Pariser Unternehmen am Donnerstag. Der Konzern setzt die eingesessenen Konzerne auf seinem Heimatmarkt mit niedrigeren Preisen unter Druck und will einem Insider zufolge mit dieser Strategie auch auf dem US-Markt vorgehen.

Die Telekom will das Kaufangebot für ihre US-Tochter durch den französischen Internet- und Mobilfunkkonzern Iliad nicht kommentieren. Ein Konzernsprecher verwies am Freitag lediglich auf die Aussagen von T-Mobile US vom Vorabend. Der viertgrößte Mobilfunkanbieter des Landes hatte den Eingang der Offerte durch die Franzosen zwar bestätigt, wollte sich aber vorerst nicht dazu äußern. Für einen Anteil von 56,6 Prozent an T-Mobile bietet Iliad 15 Milliarden US-Dollar (11,2 Mrd Euro). Die Deutsche Telekom hält rund zwei Drittel an T-Mobile US. Über einen Verkauf wird bereits seit Monaten spekuliert. Angeblich hat auch der zur japanischen Softbank gehörende US-Branchendritte Sprint Interesse an der Telekom-Tochter.

Aus Konzernkreisen verlautete, ein Deal mit Illiad hätte den großen Charme, dass das Risiko eines Einspruchs der US-Kartellbehörden wesentlich geringer wäre als bei einem Verkauf an Sprint. Die Wettbewerbshüter untersuchen geplante Fusionen von großen Mobilfunkkonzernen akribisch und wollen verhindern, dass die Preise für Verbraucher steigen. Die Telekom wollte ihre Tochter, die der viertgrößte Anbieter in den USA ist, bereits 2011 an den Branchenzweiten AT&T verkaufen. Das Vorhaben scheiterte an kartellrechtlichen Bedenken. Marktführer in den USA ist Verizon.

Konkret bietet der von Milliardär Xavier Niel gegründete Konzern Iliad nun 15 Milliarden Dollar in bar für 56,6 Prozent der T-Mobile-Anteile. Das entspricht einem Wert von 33 Dollar je Aktie. Die verbleibenden Anteile würden mit 40,50 Dollar je Anteilsschein bewertet. Insgesamt ergibt sich so eine Offerte von 36,20 Dollar je Aktie. Iliad erwartet mit der Übernahme Einsparungen von zehn Milliarden Dollar.

Iliad-Gründer Xavier Niel gehört zu den reichsten Männern Frankreichs. Er verfügt über großen politischen Einfluss: Einer seiner langjährigen Freunde zählt zu den engsten Mitarbeitern der sozialistischen Bürgermeisterin Anne Hidalgo. Auch weil er der Hauptstadt den Bau eines großen Startup-Zentrums in einer riesigen verlassenen Lagerhalle an der Gare d’Austerlitz versprochen hat, ist er bei Hidalgo gern gesehen.

Gemeinsam mit dem Lazard-Investmentbanker Matthieu Pigasse und dem Mode-Unternehmer Pierre Bergé gehört ihm die Mehrheit der führenden, regierungsnahen Tageszeitung Le Monde sowie des Magazins Nouvel Observateur. Das Trio hat vor wenigen Tagen sein Interesse am Pay TV-Infosender LCI geäußert. Viele französische Unternehmer kaufen sich Zeitungen oder andere Medien, um darüber ihren politischen Einfluss abzusichern.

Unklar wie Iliad die Übernahme stemmt

Trotz seiner guten Beziehungen zu den Sozialisten kann man Niel nicht unbedingt als Linken ansehen. Er ist ein für Frankreich eher untypischer Selfmademan. Seinen Aufstieg verdankt er seinen hervorragenden Kenntnissen in Informatik und seinem Gespür für neue Märkte. Schon in jungen Jahren gründete er verschiedene Unternehmen im Umfeld der New Economy. In einer Reportage des französischen Fernsehens wurde vor kurzem darauf hingewiesen, dass Niel allerdings den Grundstock zu seinem Vermögen auch mit Low Tech wie Beteiligungen an Pornoshops gelegt hat.

Sein wichtigstes Unternehmen Iliad hat sich zunächst als Anbieter von Internet-Anschlüssen einen Namen gemacht. Vor zweieinhalb Jahren stieg Niel dann mit einer konkurrenzlos billigen Flatrate von wenigen Euros in den Mobilfunkmarkt ein. Dabei hatte er kein eigenes Netz: Den Zugang verdankt er einer Vereinbarung mit dem Ex-Monopolisten France Télécom/Orange, dessen Hauptaktionär noch immer der Staat ist. Orange ermöglicht Free die Nutzung des eigenen Mobilfunknetzes. Weshalb Orange Niel den Markteintritt verschaffte, ist nie richtig klar geworden.

Alle drei klassischen Anbieter – Orange- SFR und Bouygues – verloren schon nach wenigen Monaten hunderttausende von Kunden an Free. Mittlerweile dringt Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg auf eine Konsolidierung. Sowohl Niel als auch Orange verhandelten mit Bouygues über eine Übernahme von dessen Mobilfunk-Aktivitäten, doch scheiterten die Gespräche.

Wie Niel eine Übernahme von T-Mobile stemmen will, ist ebenfalls nicht ganz klar. Er muss hohe Beträge ausgeben, um in Frankreich sein eigenes Mobilfunknetz aufzubauen. Auf dem US-Markt ist Niel bislang nicht vertreten, auch nicht mit anderen als Mobilfunk-Aktivitäten. Niel tritt in der Öffentlichkeit stets locker und gut gelaunt auf und ist ein geschickter Kommunikator. Doch sein Unternehmen ist eher verschlossen, kommuniziert wenig und veröffentlicht nur die notwendigsten Informationen.

Insidern zufolge hat Iliad die Banken BNP Paribas und HSBC an seiner Seite. Dies sagten drei mit der Angelegenheit vertraute Personen am Freitag.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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