Im Gespräch mit CEO Burgener
Constantin setzt fürs Kino voll auf 3D

Seit James Camerons „Avatar“ ist 3D wieder in aller Munde. Ist die dritte Dimension gar die Rettung der Filmindustrie? Bernhard Burgener, CEO von Constantin Medien, setzt voll auf Technik. Im Handelsblatt-Interview spricht er über den ersten 3D-Streifen aus seinem Hause, über Kino, TV, Kirch und Geld.
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Handelsblatt: Herr Burgener, wann haben Sie sich zuletzt einen Film angeschaut?

Bernhard Burgener: Das war um die Weihnachtszeit. Da war ich natürlich für „Avatar“ im Kino, wirklich beeindruckend. „Avatar“ mit seiner dreidimensionalen Technik bewirkt einen Quantensprung für die gesamte Filmindustrie. Das ist eine Innovation, deren Bedeutung derzeit noch nicht abzusehen ist.

Ist die dritte Dimension die Rettung der Filmindustrie?

Die Menschen sind bereit, für diese Innovation extra zu bezahlen, das ist für die ganze Branche wichtig. Nehmen sie nur das Beispiel Kino. In Deutschland kostet ein Kinoticket meist nicht mehr als sechs bis sieben Euro, was im internationalen Vergleich sehr günstig ist. Für 3D-Filme lassen sich neun bis zehn Euro verlangen, ein Aufschlag von mehr als der Hälfte.

Aber die Produktion ist teurer!

Stimmt, aber der Aufpreis liegt bei deutschen Produktionen bei schätzungsweise 20 bis 30 Prozent und bei internationalen Filmen bei 10 bis 15 Prozent. Produzenten und Kinos haben also durch 3D eine bessere Rendite bei der Kinoverwertung.

Wann gibt es den ersten dreidimensionalen Film von Constantin?

Noch nie hat eine Technik innerhalb so wenigen Monaten einen solchen weltweiten Erfolg verzeichnet. Daher ist „Avatar“ als der erfolgsreichste Film aller Zeiten ein Meilenstein. Wir setzen bei Constantin voll auf das neue Format, denn es ist ein völlig neues Kinoerlebnis. Wir arbeiten derzeit an drei 3D-Streifen: Erich Kästners „Konferenz der Tiere“, „Resident Evil 4“ und dem Tanzfilm „Step up 3“. Allerdings überlegen wir uns sehr genau, welcher Stoff sich für 3D eignet. Weil die Filme teurer sind, müssen wir mit viel Augenmaß vorgehen. Wir denken zudem nicht nur ans Kino: Dreidimensionales Fernsehen ist genauso wichtig, und schließlich wollen wir auch DVDs und Blu ray-Discs verkaufen. Diese werden künftig nicht nur hochauflösendes TV zeigen, sondern eben auch noch die dritte Dimension ins Wohnzimmer bringen. Bis es so weit ist, wird es aber noch einige Jahre dauern.

Was ist mit Piraterie?

Gerade bei 3D sind illegale Kopien sinnlos. Sie haben außerhalb des Kinos nicht den gleichen Effekt. 3D ist für uns daher ein zusätzlicher technischer Schutz vor Piraterie im Kino.

Haben Sie Stoffe links liegen lassen?

Ja, wir hatten das Drehbuch für die „Sieben Zwerge“ mit Otto auf den Tisch. Wir entschieden uns gegen den Stoff. Ein Fehler. Universal hat ihn produziert und großen Erfolg damit erzielt. Aber wenn wir 90 Prozent richtig machen und zehn Prozent falsch, ist noch alles im Lot.

Das Kino boomt, aber ihr TV-Geschäft tut sich schwer oder?

Richtig, das werbefinanzierte Fernsehen leidet zurzeit, und das spüren wir. Aber erstens beliefern wir auch öffentlich-rechtliche Sender, bei denen die Krise lange nicht so dramatische Auswirkungen hat. Zweitens brauchen alle Fernsehsender wieder gute Formate. Und drittens verkaufen und vermarkten wir unsere Formate auch erfolgreich in Länder wie Griechenland, Polen oder Kroatien.

Constantin Medien ist als Konstrukt komplex. Constantin Medien hält an Highlight 47,3 Prozent, trotzdem konsolidieren sie die Schweizer. Highlight wiederum ist Eigentümer von Constantin Film. Das kapiert doch kein Anleger?

Bevor wir uns große Gedanken über neue Strukturen machen, müssen wir erst einmal das Segment Sport restrukturieren. Den TV-Sender DSF führen wir gerade mit dem Internet-Portal Sport1 unter der Dachmarke Sport1 zusammen. Um die Kosten zu senken, haben wir hier auch Stellen gestrichen. Damit wollen wir dieses Segment wieder auf einen soliden Weg bringen.

Warum übernehmen sie nicht weitere Teile von Highlight und nehmen die Firma von der Börse?

Dies ist erstens strategisch nicht notwendig und zweitens schon aus finanziellen Gründen derzeit nicht möglich. Wir haben eine 2011 fällige Wandelschuldverschreibung ausstehen. Dabei handelt es sich um 15 Mio. Stück mit einem Nennwert pro Stück von 5,85 Euro. Fünf Mio. Schuldverschreibungen haben wir bereits zu günstigen Konditionen zurück gekauft. Doch für die restlichen zehn Mio. Stück müssen wir kommendes Jahr immer noch rund 58 Mio. Euro berappen. Dazu kommen ein weiteres Darlehen, 30 Mio. Euro, die uns ein befreundeter Privatinvestor geliehen hat.

Ihr größter Aktionär ist die Firma KF 15 von Leo Kirch. Welchen Einfluss hat Kirch?

Ich freue mich, dass wir einen festen Stamm größerer und langfristiger Anteilseigner haben, wobei KF 15 mit Abstand größter Aktionär ist. Derzeit sind es knapp 19 Prozent, zudem gibt es eine Option über weitere 8,7 Prozent. Ich selbst halte fünf Prozent an Constantin Medien und 3,4 Prozent an Highlight. Wenn Sie so wollen, hängt meine Pension damit von diesem Unternehmen ab. Schon deshalb bin ich stets mit Herzblut dabei.

Haben Sie Ihre Prognose für 2009 erreicht?

Die Prognose steht, aber stolz können wir nicht sein. Wir benötigen außerordentliche Erträge durch die Einigung mit zwei Versicherungen aus den Schadenersatzklagen gegen frühere Organe. Die Versicherer zahlen knapp 58 Mio. Euro, wobei wir einen Teil an eine Deutsche-Bank-Tochter weiterreichen müssen. Das Geld wird uns bald zugehen. So gleichen wir das unerwartet schwache Geschäft im Sportbereich mindestens aus.

Constantin Medien

Drei-Säulen-Modell

Das Unternehmen Constantin Medien vereint die ehemalige EM.TV, die Schweizer Highlight sowie die bis vor kurzem noch selbst börsennotierte Constantin Film („Wickie“, „Baader-Meinhof-Komplex“). Sie steht auf den drei Säulen Film (Constantin), Sport (DSF, Sport1 und Plazamedia) und Sport- und Eventvermarktung (Team).

Neuanfang im Sport

Der Sportkanal DSF wird künftig unter dem neuen Namen Sport 1 firmieren. Auch inhaltlich wird es einen Neuanfang geben. Beispielsweise verzichtet das DSF künftig auf Sexfilme am späten Abend. Im Gegenzug soll das Krisen geschüttelte DSF wieder zu seiner alten Stärke zurückfinden, nämlich mehr Livesport ausstrahlen.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München

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