Im Loft stört das niemanden
Big ja, Boss nein

Da rollen sie an, die zwölf Gespielen des „Big Boss“. Alle im Business-Dress, alle ziehen Koffertrollys hinter sich her bei ihrer Ankunft im edlen Loft zu Köln. Ihr Schritt ist fest, den Kopf leicht erhoben, der Blick geht unbeirrbar geradeaus. Der erste Eindruck entscheidet – und wo gilt das mehr als bei einem Vorstellungsgespräch?

DÜSSELDORF. Einige Kilometer rheinabwärts in Düsseldorf lehnt sich Johannes Graf von Schmettow, Personalberater und Partner bei Egon Zehnder International, in seinem schwarzen Ledersessel zurück. Hinter ihm eine riesige Weltkarte, vor ihm – über dem kleinen Fernseher – eine Lithographie von Salvador Dalí. „Na, dann mal los“, sagt von Schmettow, 42.

Ein anderes Original taucht auf der Mattscheibe auf: Reiner Calmund alias „Big Boss“. Zuerst sein Gesicht in Andy-Warhol-Manier verfremdet auf einem Bilderreigen, an dem die zwölf Kandidaten vorbeidefilieren – und dann in natura. „Das hier ist kein Spiel. Es ist das härteste Bewerbungsgespräch der Welt“, sagt der Ex-Manager des Fußballclubs Bayer 04 Leverkusen. Hart die Worte, weich die Stimme. Beängstigend wippt alleine der mächtige Bauch, sein Markenzeichen.

„Calli“, wie ihn seine Fans nennen, soll RTL nach Flops wie „Beauty Queen“ mit der Reality-Serie „Big Boss“ aus dem Quotenloch führen. Doch bei RTL ist man vorsichtig geworden: Denn „Hire or Fire“, eine ähnliche Show beim Rivalen Pro 7 mit TV-Produzent John de Mol wurde nach nur einer Folge aus dem Programm genommen. Nach Informationen des Handelsblatts senkte RTL anscheinend vorsichtshalber die Werbepreise: von rund 62 000 auf durchschnittliche 49 500 Euro für den 30-Sekunden-Spot. Vielleicht zu Recht: Mit 3,4 Millionen Zuschauern, einem Marktanteil von 15 Prozent, ist der Start am Dienstag nur bedingt gelungen.

Für die Kandidaten geht es um 250 000 Euro Gründungskapital oder einen Top-Job in der Wirtschaft, den Calli persönlich vermitteln will. Vorbild und Lizenzgeber ist „The Apprentice“ (Der Lehrling) aus den USA, der Show, in der Immobilientycoon Donald Trump die Bewerber aussortiert. Legendär ist Trumps aus tiefer Kapitalistenüberzeugung gerufenes „You are fired!“

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