Im Mittelstandsgeschäft aber weiter Konkurrenten
SAP nimmt Einzelhandel ins Visier

Europas größter Softwarekonzern baut seine transatlantische Zusammenarbeit mit den beiden US-Computerriesen IBM und Microsoft aus.

HB STUTTGART/NEW ORLEANS. IBM und SAP wollten gemeinsame Soft- und Hardwarelösungen für den Einzelhandel entwickeln, eine der Branchen, auf die SAP in diesem Jahr ein verstärktes Augenmerk legen will, teilte der Walldorfer Unternehmenssoftwarehersteller am Mittwoch am Rande seiner Kunden-Hausmesse „Sapphire“ in New Orleans mit. IBM habe große Erfahrung in der Datenabwicklung und -erfassung im Handel, begründete ein SAP-Sprecher die Partnerschaft. Im Einzelhandel ist SAP mit seinen Softwarelösungen noch unterrepräsentiert. In der Branche herrschten zu mehr als 50 % von den Händlern selbst entwickelte Softwarelösungen vor.

Gleichzeitig kündigten SAP und Microsoft an, die bestehende technologische Zusammenarbeit zu vertiefen, um den Austausch von Daten zwischen den internetgestützten Software-Plattformen „SAP NetWeaver“ und „Microsoft .NET“ zu erleichtern. SAP reagiere mit der Ausweitung der Zusammenarbeit auf Wünsche seiner Kunden, die eine bessere Kompatibilität mit Microsoft-Betriebssystemen oder Anwendungen forderten, sagte SAP-Vorstand Shai Agassi. Mehr als die Hälfte der eigentlich für Großrechnersysteme entwickelten SAP-Software läuft inzwischen auf dem „Windows“-Betriebssystem von Microsoft, mehr als 40 000 Installationen insgesamt. Bei den neu installierten Systemen - vor allem im Mittelstand - ist der Anteil zwei Drittel. Die Microsoft-Kalkulationssoftware „Excel“ soll künftig beispielsweise besser in SAP-Systeme integriert werden können.

Mit „NetWeaver“ hatte SAP 2003 die Integrationsfähigkeit der eigenen Software in Anwendungen anderer Hersteller vereinfacht. Um die Partnerschaft mit Microsoft zu vertiefen, seien Teile der Technologie an den jeweils anderen Partner lizenziert worden, teilte SAP mit. „Es geht um eine Standardisierung der Art und Weise, wie Applikationen miteinander kommunizieren“, erklärte Wilfried Grommen von Microsoft Europa. Analysten zufolge kommt die Partnerschaft SAP mehr zu Gute als Microsoft. „SAP muss für Microsoft-Softwareumgebungen härter arbeiten, weil die Anwender dort leichte Bedienung erwarten. Deshalb wählen sie Microsoft“, erläuterte Philipps Carnelley von Ovum.

Die Zusammenarbeit von SAP mit Microsoft ändert nichts an der Konkurrenz beider Konzerne beim Verkauf von Firmensoftware an den Mittelstand. Seit der Übernahme der dänischen Navision 2003 versucht Microsoft SAP in diesem Bereich anzugreifen und ist inzwischen zu einem der vier größten Wettbewerber von SAP aufgestiegen. Technische Kooperationen mit Rivalen sind für die Walldorfer nicht neu: So basieren viele SAP-Anwendungen auf Datenbanken und Betriebssystemen der US-Firma Oracle, die gleichzeitig selbst Konkurrenzprodukte zur SAP-Software anbietet.

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