Der Telekom-Zentrale in Bonn sind solche Aktionen offenbar bekannt. Pressevertreter will der Konzern deshalb lieber in Niederlassungen führen, die von dem Streik „nicht ganz so hart betroffen waren, wo nicht die MA (Anmerkung der Redaktion: MA steht für Mitarbeiter) übereinander herfallen“, heißt es in einer internen E-Mail, die dem Handelsblatt vorliegt. Den Öffentlichkeitsarbeitern in Bonn wäre es lieber, wenn Geschichten entstünden „in die Richtung: ,Jetzt krempelt die Telekom die Ärmel hoch’“.
Dieses Motto dürfte die Situation aber nur unzureichend wiedergeben. So fügt der Streik den ohnehin komplizierten Arbeitsabläufen bei der Telekom weitere Schleifen hinzu. So muss Technik-Mitarbeiter Lammers mit Kollegen von Düsseldorf ins gut 30 Kilometer entfernte Grevenbroich fahren, um dort die DSL-Leitung eines Kunden zu reparieren, obwohl sich auch in Düsseldorf Aufträge stapeln. „In Grevenbroich gibt es zwar ein eigenes Telekom-Team, aber das ist überlastet, also haben wir uns auf die Socken gemacht“, erzählt Lammers. Und die Kunden in Düsseldorf? Müssen die warten, bis die Düsseldorfer Techniker überlastet sind und die Grevenbroicher Kollegen anrücken?
Um die Motivation der Mitarbeiter zu erhöhen, hat der technische Kundendienst in Düsseldorf pro Überstunde eine Zulage von 13,50 Euro ausgelobt. Das Angebot gilt allerdings nur noch bis Mitte des Monats – Ende Juli soll in Nordrhein-Westfalen schon wieder alles nach Plan laufen. Das sei einfach „illusorisch“, so der Kommentar eines Betriebsrates in Düsseldorf.
Mehr Details darüber, wie die Streikfolgen beseitigt werden, gibt es bei der Telekom nicht. In einer Zwischenbilanz Ende Mai gab Timotheus Höttges, Chef der Festnetzsparte, allerdings zu, dass der Arbeitskampf vor allem im technischen Kundendienst und damit Lammers Bereich Konsequenzen hatte. Denn dort ist der Anteil der Beamten, die nicht streiken dürfen, an den Beschäftigten geringer – das Unternehmen konnte die Folgen des Ausstands deshalb weniger leicht abfedern.
Ein weiteres Nadelöhr sind die Call-Center. Nur jede fünfte Anruf könne derzeit angenommen und bearbeitet werden, berichtet Cornelia Dubbel vom Betriebsrat in Düsseldorf. Der Großteil der Mitarbeiter müsse sich um die Aufträge kümmern, die während des Streiks aufgelaufen seien. Um alles zu erledigen, müsste jeder Call-Center-Beschäftigte rein rechnerisch pro Woche vier Tage mehr arbeiten. Wie das gehen soll? Darauf hat Dubbel keine Antwort. Sie kennt nur die Zielvorgabe der Chefs: Die Mitarbeiter müssen so viel wegschaffen, dass sich die nötige Mehrarbeit auf einen Tag pro Mitarbeiter und Woche reduziert.
In Gesprächen mit Investoren beteuert die Telekom nach Handelsblatt-Informationen bis heute, man habe die Lage im Griff, durch den Streik sei lediglich ein „kleiner Arbeitsstau“ entstanden. Mehr nicht.
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