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11.07.2007 

Allerdings bereitet Festnetzchef Höttges den Finanzmarkt gleichzeitig darauf vor, dass der Konzern im zweiten Quartal weniger Neukunden für seine schnellen Internetanschlüsse via DSL gewonnen habe. Genaue Zahlen, möglicherweise auch eine Streikbilanz will die Telekom mit den Quartalsergebnissen in vier Wochen bekannt geben. „Vielleicht will sie sich den Streik als Ausrede für schlechte Zahlen bereit halten“, argwöhnt Frank Rothauge, Analyst bei Sal. Oppenheim.

Doch auch wenn die Telekom die Streikfolgen in Zahlen verpackt, wie aussagekräftig sind sie? Für Ado Wilhelm fällt die Antwort eindeutig aus: „Bei der Telekom wurden Statistiken immer schon geschönt“, sagt der Gewerkschaftler, der den Streik leitete. Der 57-Jährige hat vor 42 Jahren als Fernmeldetechniker bei der Telekom angefangen und sitzt heute im Aufsichtsrat der Mobilfunktochter T-Mobile.

Er erzählt, dass etwa Call-Center ihre Kennzahlen aufbessern, indem sie Störungsmeldungen und Auftragseingänge, die noch nicht bearbeitet sind, als erledigt markieren. „So wollen sie die Effizienz des Standortes verbessern“, sagt Wilhelm. „Jeder einzelne Standort will gut dastehen, damit er nicht dichtgemacht wird.“

Für die Telekom ist das Service-Chaos alles andere als trivial. Der Konzern verliert in Deutschland an Boden. Vor allem im klassischen Festnetz wandern die Kunden ab. Sie wechseln zur Konkurrenz, zu kleineren und meist billigeren Anbietern. Um sich dennoch zu behaupten, will Telekom-Chef Obermann den besten Service der Branche bieten. Dann seien die Kunden auch bereit, höhere Preise zu zahlen, so sein Kalkül.

Von seinem Ziel ist Obermann aber noch weit entfernt: Das aktuelle Chaos verärgert sogar Kunden, die lange mit der Telekom zufrieden waren. So erhielt ein Ehepaar aus Nettetal während des Streiks gut zehn Anrufe von Telekom-Mitarbeitern. Sie wollten die Rentner davon überzeugen, einen neuen Telefonanschluss samt Internetzugang zu ordern. Das Paar lehnte stets ab – und erhielt kurze Zeit später doch eine Auftragsbestätigung. Und eine Gutschrift über 20 Euro. Ein Dankeschön für den Auftrag? Das Ehepaar hatte keine Erklärung für die ungewöhnliche Post. Ein Anruf beim Call-Center brachte auch kein Licht in die Sache. Ebenso wenig wie ein Anruf bei der Beschwerdestelle. Die war ebenfalls ahnungslos: Die Mitarbeiter konnten weder den neuen Auftrag noch die Gutschrift in ihrem System finden.

Auch Lars Thoms aus Hagen ist sauer auf die Telekom. Zwei Wochen lang musste er in seiner neuen Wohnung auf seinen DSL-Anschluss warten. Wegen des Streiks sei es schwierig, einen Techniker zu schicken, so die offizielle Begründung der Telekom. Nach dem Streik kam Thoms zu seinem DSL-Anschluss – völlig ohne Installationsarbeiten. „Offenbar war gar kein Techniker nötig“, erregt sich der Mann. „Da stimmt doch was nicht in der Organisation.“


*Name von der Redaktion geändert

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