Im zweiten Anlauf
Balda findet doch noch Käufer für Europa-Geschäft

Der Handyausrüster Balda ist im zweiten Anlauf den größten Teil seines verlustreichen Europa-Geschäfts losgeworden. Rückwirkend zum 1. Mai übernehme die Hanse Industriekapital-Beteiligungs-GmbH (HanseIK) den Betrieb der Balda Solutions und der Balda Werkzeugbau mit rund 450 Mitarbeitern. Im Frühjahr hatte das Unternehmen die bereits verkauften Werke zurücknehmen müssen.

DÜSSELDORF. Der ostwestfälische Handyzulieferer Balda unternimmt einen zweiten Anlauf, sich von seinem defizitären europäischen Handyschalengeschäft zu trennen. Wie das Unternehmen aus Bad Oeynhausen bekannt gab, hat Balda seine Töchter Balda Solutions und Balda Werkzeugbau zum 1. Mai an den Finanzinvestor Hanse Industriekapital aus Hamburg abgegeben. Als "Mitgift" für die bevorstehende Umstrukturierung und die zu erwartenden operativen Verluste zahlt Balda einen "höheren, einstelligen Millionenbetrag" an Hanse IK.

Für die 410 betroffenen Mitarbeiter ist dies bereits der zweite Verkauf innerhalb von fünf Monaten. Balda hatte das Handyschalengeschäft zum 31.12.2007 an den bayerischen Investor Aurelius abgegeben. Damals hieß es, der Verkauf würde Balda mit einem niedrigen zweistelligen Millionenbetrag belasten.

Tatsächlich jedoch verlangte Aurelius mehr als das Doppelte. Die Forderung veranlasste Balda zu, Anfang März vor einer Insolvenz für die gesamte Balda AG zu warnen. Offenbar hatte man in Bad Oeynhausen vergessen, eine Obergrenze für mögliche Abschreibungen und andere buchhalterische Freiheiten einzuziehen.

Zur Rettung aus der Existenzkrise machte Balda schließlich den Verkauf rückgängig. Aus Unternehmenskreisen heißt es, Balda habe Aurelius hierfür zwei Mill. Euro zahlen müssen. Beobachter sprechen von einer "Go-Away-Prämie". Balda will die Zahl nicht kommentieren. Ein Sprecher versichert jedoch, dass beim neuen Verkauf eine ähnliche Entwicklung mit überraschenden Nachforderungen ausgeschlossen sei. "Wir haben aus unseren Fehlern gelernt", sagt ein Unternehmenssprecher.

Aber das Unternehmen hätte sich diese Fehler - und vielleicht auch den Kursrutsch von mehr als 70 Prozent - ganz sparen können. Der neue Käufer der Balda-Töchter wäre nämlich nach eigener Aussage schon im vergangenen Jahr bereit gewesen, die Balda Solutions Gruppe zu übernehmen. Im Gegensatz zu Aurelius war Hanse IK bei Balda auch bestens bekannt. Erst im Februar 2007 hatten die Hamburger zwei andere Töchter von Balda übernommen und das Geschäft trotz vergleichbar schlechter Startbedingungen gut entwickelt: Nachdem etwa die Heinze-Gruppe durch die Pleite ihres Großkunden BenQ 35 Prozent ihres Umsatzes verloren hatte, baute Hanse IK den Handyschalenhersteller größtenteils zum Lieferanten für die Autoindustrie um. Von knapp 500 Arbeitsplätzen fielen nach Firmenangaben nur rund zehn weg. Der Umsatz 2008 soll mit rund 45 Mill. Euro fast wieder das Niveau von vor der BenQ-Pleite erreichen.

Für die nun erworbenen Balda-Töchter strebt Hanse IK eine ähnliche Entwicklung an. "Wir hätten die Gruppe nicht übernommen, wenn wir nicht von ihren Erfolgsaussichten überzeugt wären", sagt Hanse-IK-Geschäftsführer Marc Eberle. Es sei zwar damit zur rechnen, dass der Umbau Arbeitsplätze kosten werde - schließlich ist das Unternehmen seit Monaten wie gelähmt. Aus Bad Oeynhausen heißt es, die besten Mitarbeiter hätten längst das Weite gesucht. Doch grundsätzlich spricht laut Hanse IK nichts dagegen, dass nicht auch für die Balda Solutions Gruppe ein neues Geschäftsmodell gefunden werden kann.

Ein hässliches Nachspiel wie beim ersten Verkauf hält der neue Käufer für ausgeschlossen. "Wir haben in der Vergangenheit immer sehr fair mit Balda kommuniziert", sagt Eberle. "Das soll auch so bleiben."

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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