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05.09.2007 
Oracle und SAP

Immer Ärger mit King Larry

von Jens Koenen

Seit Jahren verbindet die beiden Softwarekonzerne Oracle und SAP eine tiefe Feindschaft. Jetzt eskaliert der Streit vor Gericht. Der US-Konzern wirft dem deutschen Konkurrenten Industriespionage vor. Doch vor Gericht wird der Krieg der beiden Softwarelieferanten nicht entschieden, sondern auf dem PR-Feld. Eine Handelsblatt-Reportage.

Oracle-Chef Larry Ellison ist für seine Unnachgiebigkeit bekannt. Foto: ap Lupe

Oracle-Chef Larry Ellison ist für seine Unnachgiebigkeit bekannt. Foto: ap

FRANKFURT. Der Kampf dauerte 16 Monate. Dann konnte Larry Ellison, Chef des kalifornischen Softwarekonzerns Oracle, den Erfolg vermelden: Der kleinere Rivale Peoplesoft stimmte einer Übernahme zu – nachdem er sich mit allen Mitteln gewehrt hatte. Doch Ellison, ein notorischer Großsprecher und extrem streitbarer Manager, gab einfach nicht auf. Sobald er einmal den widerspenstigen Konkurrenten an der Angel hatte, ließ er nicht los und tat alles, um diesen auch ins Boot zu holen.

Vor fast drei Jahren spielte sich das ab. Es ist eine bekannte Geschichte – auch in Walldorf bei dem Oracle-Konkurrenten SAP. Und sie gibt einen Vorgeschmack auf das, was kommen könnte, was der deutsche Softwarelieferant möglicherweise in der nächsten Zeit erlebt.

In diesem Fall könnte Ellison seine Unnachgiebigkeit sogar noch länger unter Beweis stellen: 18 Monate. So viel Zeit will sich Oracle nehmen, um Beweise zu sammeln. Belege dafür, dass die SAP-Tochter TomorrowNow Daten vom Oracle-Rechner geladen hat. Ende März hat der US-Konzern den deutschen Konkurrenten daher wegen Industriespionage verklagt und schon bald darauf mit dem Antrag, die Beweisaufnahme auf 18 Monate auszudehnen, deutlich gemacht: Man ist nicht unbedingt daran interessiert, den Rechtsstreit schnell beizulegen.

Bei den SAP-Managern ist Oracles wichtigste Botschaft schon vorher angekommen: „Oracle spielt auf Zeit, keine Frage“, heißt es in den Gängen der Walldorfer SAP-Zentrale. Die Hoffnung auf eine schnelle außergerichtliche Einigung, sie scheint sich in Luft aufgelöst zu haben.

„18 Monate für die Beweisaufnahme – das ist auch für US-Verhältnisse eine respektable Zeit“, sagt der Anwalt einer renommierten deutschen Sozietät. „SAP soll medienwirksam weichgekocht werden“, vermutet ein Manager des Konzerns. Das für Dienstag geplante erste Treffen vor dem Bezirksgericht in San Francisco ist zunächst einmal auf den 11. September verschoben worden – allerdings wegen Unwohlseins eines Richters.

Tatsächlich zeichnet sich das Szenario für die nächsten Monate immer deutlicher ab. Es ist das, was Marktkenner schon seit längerem befürchten: ein Krieg, der nicht vor Gericht, sondern auf dem PR-Feld entschieden wird. Regelmäßig wird Oracle in den nächsten Monaten wahrscheinlich Stellung zum laufenden Verfahren beziehen. Das bringt Aufmerksamkeit – bei den Medien und auch bei den Kunden.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Obwohl Oracle und SAP aufeinander angewiesen sind, geraten sie immer wieder aneinander.

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