Zumindest eines hat Ellison nach derzeitiger Lage bewiesen: Auch in der Softwareindustrie sind Übernahmen möglich – etwas, was Experten lange Zeit angezweifelt haben. Ob der drahtige Manager allerdings noch den Sturz des Königs SAP erleben wird, ist fraglich. Noch ist der Abstand zwischen beiden einfach zu groß: SAP kommt im stark fragmentierten Markt für Firmensoftware auf etwa 26 Prozent, Oracle erreicht gerade mal 15 Prozent.
Das ficht Ellison auch nicht an, er tönt aber großspurig: „Falls SAP in den Rückspiegel schauen sollte: Wir sind diejenigen, die sich mit großer Geschwindigkeit nähern.“
Natürlich, auch er weiß, dass SAP nicht untergehen wird. Schließlich ist der Markt groß genug für zwei Anbieter, und ihre Kunden wollen eine Alternative haben. Zu groß ist die Furcht vor der Abhängigkeit von nur einer Software-Firma. Doch für den Oracle-Boss steht fest: „Wer will, dass seine Programme alle reibungslos zusammenarbeiten, vertraut besser auf Oracle statt auf SAP“, rief er jüngst Finanzanalysten zu.
Die sind inzwischen aber skeptisch geworden und stellen einiges infrage von dem, was Ellison lauthals verkündet. Zuletzt die Wachstumsprognosen des Konzerns. Vielleicht muss Oracles Oberboss daher zu anderen Mitteln greifen, um SAP zu schwächen – beispielsweise zu einem langen Rechtsstreit.

