In den USA hat Haim Saban längst kein großes Business mehr
Der reiche Onkel Dagobert aus Amerika

Die Machtzentrale von Deutschlands größtem Fernsehkonzern liegt mindestens elf Flugstunden entfernt von jeder deutschen Fernsehgemütlichkeit. Das Head-Quarter residiert im Millionärsparadies Beverly Hills, und es schaut sich die Welt von oben an. Von der 26. Etage eines silbrig- schwarzen Hochhauses am Santa Monica Boulevard 10.100 regiert Haim Saban die Pro Sieben Sat 1 Media AG.

LOS ANGELES. Die eleganten Räumlichkeiten für die 40 Mitarbeiter in der Suite 2600 sind überschaubar. Denn in den USA hat Haim Saban längst kein großes Business mehr. Ein wenig Musikgeschäft – das war’s. „Als Medienunternehmer ist Saban in den USA praktisch nicht existent“, sagt ein deutscher Filmhändler, der ihn seit mehr als 20 Jahren kennt. In der Welt von Warner, Disney, Universal und Sony ist der Selfmademan Saban ein Liliput. In Deutschland dagegen spielt er gerne Onkel Dagobert – ausgestattet mit unermesslichem Reichtum, immer gierig nach Gewinnen.

Die deutsche Politik hat für den Aufsteiger den roten Teppich ausgerollt. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber buhlt um ein Mittagessen mit dem reichen Onkel aus Amerika. Auch Stoibers Gegenspieler Bundeskanzler Gerhard Schröder umgarnt den Clinton-Freund mit höflicher Freundlichkeit als Investor. „Wir sind sehr freundlich und warm in Deutschland aufgenommen worden“, sagt Adam Chesnoff, der Vertraute Sabans.

Das ging nicht allen US-Investoren so. Medienmogul Rupert Murdoch – ein früherer Geschäftspartner von Saban – galt in Deutschland als Albtraum. Und auch John Malone lief beim Versuch, ins deutsche Kabelgeschäft einzusteigen, gegen eine politische Betonwand.

Saban hat es besser. Er ist reich, spätestens seit er zusammen mit Murdoch vor drei Jahren den TV-Konzern „Fox Family Worldwide“ für 5,3 Milliarden Dollar an Disney verkauft hat. Aber er ist zugleich machtlos – und politisch unverdächtig. Er hat Bill Clinton im Wahlkampf unterstützt. Und er ist, selbst Jude, ein Verfechter israelischer Interessen. Bilder berühmter Fotografen wie Robert Capa oder Rene Burri von jüdischen Flüchtlingen in Haifa oder der Freiheitsstatue in New York schmücken die Wände der Lobby. Zur Lektüre für den wartenden Besucher liegen Bücher wie „Die Juden. Ein Schatz an Kunst und Literatur“ oder „Ich bin dein Kind, Gott“ bereit.

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