In drei Wochen
NY Times gewinnt 100.000 digitale Abonnenten

Die Online-Strategie der renommierten US-Zeitung "New York Times" zahlt sich aus. Nach drei Wochen nutzen schon mehr als 100.000 Abonnenten das bezahlte Angebot, das zum Vorbild für die Branche werden könnte.
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New YorkDie renommierte amerikanische Qualitätszeitung New York Times hat innerhalb von drei Wochen mehr als 100.000 Abonnenten für ihr neues Bezahlangebot im Internet gewonnen. Das gab die New York Times Company am Donnerstag bekannt. Das Abo-Angebot werde gut angenommen, erklärte Geschäftsführerin Janet Robinson. 

Noch sei es zwar zu früh für Prognosen, wie viele dieser neuen Abonnenten ihre preisreduzierten Einführungsangebote letztendlich in volle Abos umwandeln, sagte Robinson weiter. Die Resonanz sei jedoch „extrem ermutigend“. Die New York Times hat eine gedruckte Auflage von knapp 900.000 Exemplaren; außerdem findet die Website der Zeitung im Monat rund 45 Millionen Nutzer. Das Abo-Angebot soll dem kriselnden Medienhaus eine neue Umatzquelle erschließen.  

Seit März kassiert die New York Times für die Nutzung ihrer Website und ihrer Anwendungen („Apps“) für elektronische Geräte wie Mobiltelefon oder iPad. Die Digitalabos kosten zwischen 15 und 35 Dollar für vier Wochen. Dabei hat die Zeitung ein Mischmodell gewählt: Auf der Website sind 20 Klicks pro Monat frei, erst danach wird der Nutzer aufgefordert zu abonnieren. Auch der Zugang über Suchmaschinen oder soziale Netzwerke wie Facebook bleibt kostenfrei. Die New York Times wollte so sicherstellen, dass ihre Nutzerzahlen im Netz nicht einbrechen und das immer bedeutender werdende Geschäft mit Internet-Werbung schädigen – was bei der Einführung einer starren Bezahlwand wohl passiert wäre. 

Die Einführung dieser „durchlässigen Bezahlwand“ (O-Ton Robinson) wird von Zeitungshäuser weltweit mit Spannung beobachtet. Sollte die New York Times Erfolg haben, könnte ihr Modell Nachfolger finden. Wie die gesamte Zeitungsbranche leidet die New York Times unter schwindender Auflage, verzeichnet aber zugleich starke Zuwächse im Geschäft mit Online-Werbung. Das Plus im Internet-Geschäft kann bislang aber die Rückgänge im angestammten Printgeschäft nicht ausgleichen. So sanken Umsatz und Auflage der Zeitung im ersten Quartel dieses Jahres jeweils um vier Prozent. 

Der Rückgang an Klicks auf der Website „nytimes.com“ nach der Einführung der Digital-Abo-Schranke sei „im Rahmen der Erwartungen“ ausgefallen, erklärte Geschäftsführerin Robinson weiter. Zugleich  sehe das Unternehmen erste positive Auswirkungen auf ihre Printauflage. Die Zeitung wirbt bei alten - und möglichen neuen - Printlesern seit Wochen intensiv damit, dass zahlende Abonnenten der gedruckten Zeitung das Digitalangebot ohne Extrakosten nutzen können. 

Das Zeitungshaus hatte rund eineinhalb Jahre an ihrem neuen Bezahl-Modell gearbeitet. Wie viel die Entwicklung gekostet hat, gab die New York Times Company nicht bekannt. Wirtschaftsmedien hatten eine Summe von 40 bis 50 Millionen Dollar kolportiert – eine Summe die von Janet Robinson und Verleger Arthur Sulzberger jüngst bei einer Podiumsdiskussion an der New Yorker Universität als völlig übertrieben bezeichnet wurde. In diesem Jahr werde sich das Medienunternehmen sein Internet-Modell 13 Millionen Dollar kosten lassen, gab Robinson bekannt – das Geld soll überwiegend in Werbung fließen. 

Die Zeitung wolle ihren Weg in eine digitale Zukunft konsequent weitergehen, sagte Robinson. Das iPhone-App der New York Times sei seit seiner Einführung im Jahr 2008 insgesamt 6,5 Millionen Mal heruntergeladen worden, das App für das iPad komme auf 1,8 Millionen Downloads innerhalb eines Jahres, und die Zeitung habe 1,2 Millionen Fans auf Facebook.

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