In Justitias Hand
Geständnis im Siemens-Schmiergeldprozess

Vor dem Münchener Landgericht wird seit heute morgen der größte Schmiergeldskandal in der deutschen Wirtschaftsgeschichte aufgerollt. In der Siemens-Korruptionsaffäre muss sich Reinhard S. vor Gericht verantworten. Der frühere Manager in der korruptionsverseuchten Siemens-Telekommunikationssparte Com spielte laut Anklage eine Schlüsselrolle beim Aufbau des Systems schwarzer Kassen. Das Handelsblatt beantwortet die wichtigsten Fragen rund um den Schmiergeldskandal und das Verfahren, das Überraschungen bringen könnte.

MÜNCHEN. Reinhard S. stellte sich am Montagmorgen den Fotografen. Mit einem Lächeln auf den Lippen plauderte der Angeklagte, in Anzug und mit offenem Hemd gekleidet, vor dem Aufruf des Prozesses am Münchener Landgericht mit seinen Anwälten. Ganz verbergen konnte er die Anspannung aber nicht.

Die Vorwürfe der Anklage seien grundsätzlich richtig, sagte der 57-Jährige später vor Gericht. Siemens habe lange über Konten in Österreich dubiose Zahlungen geleistet. Als das System wegen Ermittlungen in der Schweiz aufzufliegen drohte und Auslands-Korruption in Deutschland Ende der 90-er Jahre strafbar wurde, habe man sich etwas anderes überlegen müssen. "Wenn man mit einem ICE mit Tempo 250 auf einen Bahnhof zufährt, dann ist der nicht so leicht zu stoppen." Daher seien die Schmiergelder später über Scheinberaterverträge ins Ausland geschleust worden. Ziel sei es aber gewesen, die Zahlungen zu reduzieren und irgendwann einzustellen. "Wir waren überzeugt, dass das nicht auf ewig und drei Tage so weitergehen kann." Seine Vorgesetzten seien über seine Aktivitäten im Bilde gewesen. „Der komplette Bereichsvorstand war natürlich darüber informiert, dass diese Tätigkeit von mir wahrgenommen wurde“, sagte der Angeklagte.

Zu dem Prozess hatten sich rund 100 Journalisten angemeldet, der erwartete Ansturm blieb aber aus. Unter den Zuschauern war auch eine Reihe von aktiven und ehemaligen Siemens-Mitarbeitern. "Man hat immer den Eindruck gehabt, dass er die Fäden in der Hand gehabt hat", sagte einer von ihnen über seinen früheren Chef Reinhard S.

Bei Siemens sind in den vergangenen Jahren 1,3 Mrd. Euro in schwarzen Kassen verschwunden. Der Großteil des Geldes wurde im Ausland als Schmiergeld eingesetzt. Die Zahlungen seien ein Tabuthema gewesen, sagte Reinhard S. Mehrere seiner Vorgesetzten seien aber involviert gewesen. Der Angeklagte hatte bereits in den Vernehmungen ein umfangreiches Geständnis abgelegt und somit eine große Rolle bei der Aufklärung der Affäre gespielt.

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