In Ost- und Mitteleuropa läuft die letzte Privatisierungswelle an
Telekomkonzerne zieht es gen Osten

In Ost- und Mitteleuropa läuft die Privatisierungswelle bei den Telekommunikationsunternehmen. Da weckt das Interesse westlicher Unternehmen wie die britische Vodafone. Die Deutsche Telekom zählt mit ihren zahlreichen Beteiligungen schon zu den Großen in der Region.

slo DÜSSELDORF. Der tschechische Konzern Cesky Telecom führt die Liste der Kaufgelegenheiten in Zentral- und Osteuropa an. Es ist das größte und teuerste Telekomunternehmen, das dort derzeit zur Übernahme ansteht, gefolgt von den Mobilfunkgesellschaften Mobiltel in Bulgarien und PTC in Polen. Insgesamt schätzen Analysten, dass westeuropäische Telekommunikationskonzerne in diesem und im nächsten Jahr etwa fünf Mrd. Euro für Zukäufe im Osten Europas ausgeben werden.

„Es ist wohl die letzte Privatisierungswelle, die in Europa anläuft“, sagt der Telekomexperte einer Investmentbank in London. Bis Ende 2005 würden alle Telekomunternehmen in Ost- und Mitteleuropa in der Hand privater Investoren sein. Derzeit sind noch Telekomnetzbetreiber in Slowenien (Telekom Slovenij), Montenegro (Telekom Montenegro), Serbien (Serbia Telecom) und Tschechien (Cesky Telecom) in Staatshand. Die Regierungen stellen ihre Anteile nun zum Verkauf – im Fall von Cesky Telecom sogar zum zweiten Mal.

Der erste Anlauf zum Verkauf der Cesky Telecom scheiterte 2002 am Preis. Ein Konsortium aus Deutscher Bank und der dänischen TDC bot damals 1,8 Mrd. Euro. Analysten erwarten jetzt, dass der Verkauf des 51-Prozent-Anteils an dem tschechischen Konzern mehr als zwei Mrd. Euro einbringt. Denn die Voraussetzungen sind deutlich besser als vor zwei Jahren, als potenzielle Käufer ihr Geld lieber in den Schuldenabbau statt in weitere Akquisitionen steckten.

Inzwischen haben die Unternehmen ihre finanziellen Kennzahlen aber deutlich verbessert. So fiel beispielsweise der Schuldenstand von 24 westeuropäischen Telekomkonzernen Ende 2003 gegenüber dem Vorjahr um mehr als ein Fünftel auf 193 Mrd. Euro. Das geht aus einer neuen Studie der Marktforschungsgesellschaft Ovum in London hervor. Zudem hätten sich die Verluste der Unternehmen drastisch reduziert und die Barmittelüberschüsse erhöht. All diese Trends würden sich 2004 fortsetzen, sagt Ovum- Analyst Julian Hewett.

Das gibt den Unternehmen wieder Spielraum für Übernahmen, so dass bei Cesky Telecom derzeit fast eine Hand voll Unternehmen als Käufer gehandelt werden – allen voran erneut die dänische TDC sowie France Télécom und Swisscom.

Zudem hat der britischen Mobilfunkkonzern Vodafone vergangene Woche die Citigroup beauftragt, die Möglichkeiten für ein Engagement in Tschechien zu prüfen. Dem Vernehmen nach gilt Vodafones Interesse Eurotel, dem Mobilfunkarm von Cesky Telecom. „Es wäre daher sinnvoll, wenn Vodafone mit einem anderen Unternehmen wie Swisscom oder auch der britischen BT ein gemeinsames Angebot für Cesky Telecom abgeben würde und sich die Bieter Cesky Telecom dann aufteilen“, sagt Frank Rothauge, Analyst bei Sal. Oppenheim.

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