Indien
Satyam findet neuen Eigentümer

Wettbewerber Tech Mahindra kauft die Mehrheit an dem IT-Dienstleister für 579 Millionen Dollar und rettet das Unternehmen so vor der Pleite. Die indischen Behörden müssen die Transaktion noch genehmigen. Mit Einwänden rechnet aber niemand, da die Regierung in Neu-Delhi an einem schnellen Verkauf von Satyam interessiert ist.

NEU DELHI. Ein indischer IT-Dienstleister bewahrt seinen Konkurrenten Satyam nach dessen spektakulären Affäre um gefälschte Bilanzen vor der Pleite. Tech Mahindra kauft 51 Prozent der Aktien am doppelt so großen Unternehmen Satyam für umgerechnet 579 Mio. US-Dollar. Die Übernahme katapultiert Tech Mahindra, ein Gemeinschaftsunternehmen von Indiens Nutzfahrzeughersteller Mahindra & Mahindra und dem britischen Telekomkonzern BT, in die Topliga der IT-Dienstleister wie Infosys und Wipro.

In einem weltweit ausgeschriebenen Bieterverfahren für die Satyam-Ateile schlug Tech Mahindra Indiens größten Bau- und Maschinenbaukonzern Larsen & Toubro sowie den US-Milliardär Wilbur Ross aus dem Rennen. Der Notverkauf von Indiens viertgrößtem IT-Dienstleister war nötig geworden, nachdem Satyam-Gründer Ramalinga Raju Anfang des Jahres gestanden hatte, die Bilanz um mehr als eine Mrd. Dollar geschönt zu haben. Raju sitzt seither im Gefängnis. Ihm droht wegen krimineller Verschwörung und Bilanzfälschung lebenslängliche Haft.

Mit der Übernahme verbreitert Tech Mahindra - bisher überwiegend als IT-Dienstleister für europäische Telekomfirmen - seinen Kundenstamm um Firmen wie die US-Giganten General Electric und Cisco, den Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé und die australische Fluggesellschaft Qantas. Der Kauf ist allerdings mit erheblichen Risiken für Tech Mahindra und seine Eigentümer verbunden. Denn auch mehr als drei Monate nach Bekanntwerden des Bilanzskandals ist weder die tatsächliche Finanzsituation von Satyam noch dessen Ertragslage klar. Die Wirtschaftsprüfer von KPMG und Deloitte durchforsten zurzeit die Bücher des Unternehmens und versuchen, Licht in die kriminellen Machenschaften von Firmengründer Raju zu bringen. Wegen des unkalkulierbaren Risikos hatten sich etliche Interessenten vorzeitig aus dem Bieterverfahren zurückgezogen.

Auch drohen Tech Mahindra hohe Schadensersatzansprüche geprellter Satyam-Aktionäre in den USA. Dort sind zwölf Sammelklagen geschädigter Anleger des an der Börse in New York notierten Unternehmens anhängig. Die Aktien von Satyam haben gegenüber dem Höchststand im Mai 2008 rund 90 Prozent des Wertes verloren. Der IT-Dienstleister hat weltweit noch 46 600 Beschäftigte, 6 400 weniger als vor sechs Monaten. Viele Top-Leute sollen das Unternehmen nach der Aufdeckung des Skandals aus Angst vor der drohenden Pleite verlassen haben.

Die Börse in Bombay reagierte auf die Nachricht von der Übernahme dennoch mit einem Kursfeuerwerk. Der Aktienkurs von Tech Mahindra, an dem BT 30 Prozent hält, stieg um zwölf Prozent. Dipatrup Chakraborti, Analyst des IT-Marktforschungsinstituts Gartner in Bombay, bewertet die Übernahme positiv. Sie werde die Abhängigkeit Tech Mahindras von wenigen Großkunden verringern. Der Kurs von Satyam legte in Bombay um 3,2 Prozent zu; In New York fiel er bis Redaktionsschluss um zwölf Prozent.

Die indischen Behörden müssen die Transaktion noch genehmigen. Mit Einwänden rechnet aber niemand, da die Regierung in Neu-Delhi an einem schnellen Verkauf von Satyam interessiert ist. Sie fürchtet, der Bilanzskandal könne Indiens IT-Industrie - die Vorzeigebranche des Landes - in Mitleidenschaft ziehen. Deshalb handelte sie unüblich schnell. Bereits wenige Tage, nachdem der Betrug aufgeflogen war, berief die Regierung einen neuen Verwaltungsrat für das Unternehmen. Er sollte einen neuen Eigentümer finden, der Satyam vor der Pleite bewahrt.

Tech Mahindra wird nun zunächst 31 Prozent neu ausgegebene Satyam-Aktien erwerben. Ihr Preis liegt rund 16 Prozent über dem aktuellen Börsenwert. Weitere 20 Prozent soll Tech Mahindra dann zum gleichen Preis an der Börse kaufen.

Die wichtigste Aufgabe nach der Übernahme sei es, das Vertrauen der Kunden von Satyam zurückzugewinnen, sagte Aufsichtsratschef Anand Mahindra gestern. Satyam hat seit dem Bilanzskandal namhafte Kunden wie die Vereinten Nationen verloren. Andere wie Coca-Cola haben angekündigt, neue Aufträge an konkurrierende IT-Dienstleister zu vergeben.

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