Infosys baut solche Plattform-Angebote derzeit sukzessive für mehrere Industrien auf. „Der Vorteil ist, dass die Kosten für einen Markteintritt flexibler zu steuern sind. Ein Unternehmen kann so in einem neuen Markt viel schneller und wesentlich sicherer die Gewinnschwelle erreichen“, sagt Schürmann. Auch für etablierte Märkte will Infosys den Unternehmen solche Rundum–Pakete anbieten. Dann geht es vor allem um Spezialfragen wie die Effizienzsteigerung bei bestimmten Prozessen.
Hinweise darauf, dass indische Beratungskompetenz bei westlichen Kunden kaum bekannt sei, wischt Schürmann mit einer vehementen Handbewegung beiseite. „Wir sind kein reiner IT-Anbieter, wir werden in letzter Zeit immer häufiger von Unternehmen angesprochen, ob wir sie nicht bei großen Projekten insgesamt begleiten können – und eben nicht nur im Bereich IT.“
Zugleich hält er mit handfesten Zahlen gegen. „Wir haben in Deutschland in den vergangenen zwei Jahren eine zweistellige Zahl an Neukunden im Zielsegment mittlerer und großer Industrieunternehmen hinzugewonnen“, sagt Schürmann.
„Zum Ende des zweiten Quartals haben wir festgestellt, dass wir die Umsätze in den vergangenen 24 Monaten in Deutschland verdoppeln konnten“, ergänzt Schürmann. Konzernweit lagen die Umsätze im vergangenen Geschäftsjahr bei etwa sechs Milliarden Dollar. Das Wachstum soll im nächsten Jahr anhalten.
Krisenstimmung kommt deshalb bei Schürmann nicht auf. Infosys profitierte davon, dass es bei vielen Unternehmen in der vergangenen Krise zu einem Investitionsstau kam. „Der wird immer noch abgearbeitet. Die Unternehmen müssen in IT investieren.“
Wenn es darum gehe, Prozesskosten und Lieferketten zu optimieren, seien viele Firmen trotz der wirtschaftlichen Unsicherheiten bereit, Geld in den Ausbau ihrer IT-Infrastruktur zu stecken. Zudem haben viele Unternehmen ein radikales Interesse an Vereinfachung. „Heute geht es in vielen Unternehmen vor allem darum, Komplexität aus den IT-Systemen herauszunehmen“, erklärt Schürmann.

Diese positive Entwicklung ist sicherlich der Tatsache zu verdanken, dass Infosys - mit Franz-Josef Schürmann - den richtigen lokalen CEO gewinnen konnte. Der Erfolg könnte sicherlich noch grösser sein, wenn die indischen Kollegen auf Ebene 1 in Deutschland besser mit den deutschen Kollegen kooperieren würden. Hiersind noch viele kulturelle Barrieren zu überwinden.
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