Infineon-Affäre
Die PS-Getriebenen

Durch das Motorsportengagement will Vorstandschef Ulrich Schumacher den Kunstnamen Infineon zum Markenzeichen aufbauen. Branchenführer Intel hat es vorgemacht: Mit dem Slogan „Intel inside“ werden die Kalifornier weltweit bekannt, obwohl kein Kunde die Chips in irgendeinem Laden kaufen kann.

MÜNCHEN. Sie waren mal ein echtes Team, die beiden Infineon-Top-Manager Ulrich Schumacher und Andreas von Zitzewitz, dazu Udo Schneider, Chef des Schweizer Sportrechtevermarkters BF Consulting. Abwechselnd halten sie im August 2002 das Steuer eines Porsche 996 GT3-RS beim 24-Stunden-Rennen im belgischen Spa Francochamps in Händen. Fast 200 Runden haben die drei bereits absolviert, als es kurz nach Mitternacht zum Crash kommt. Ein Fan erinnert sich: „Als der führende Anthony Kumpen seine Carsport Viper auf der Start- und Zielgeraden zum Überrunden neben den Porsche Schumachers setzt, zieht der unerwartet in Richtung Viper und dreht diese bei Full Speed um.“ Viel bleibt vom Auto des Wettbewerbers nicht übrig, der Wagen fängt Feuer und rutscht 200 Meter über die Piste, bevor das Dach wegschleudert.

Für die Piloten endet der Unfall glimpflich. Kumpen klettert nahezu unverletzt aus dem Wrack, auch Schumacher meldet nur leichtere Blessuren, meidet anschließend einige Wochen lang die Öffentlichkeit.

Autos und das Infineon-Management, das ist lange Zeit eine von Schumacher und seinen Vorstandskollegen innig gepflegte Liebe. Doch die Romanze beschränkt sich nicht auf die Freizeit. Sponsorengelder fließen in Millionenhöhe Richtung Motorsport: Ob Porsche-Carrera-Cup, Formel 1 oder die US-Rennserie Nascar – die frühere Siemens-Tochter gehört über Jahre zu den großen Gönnern auf den Rennstrecken der Welt.

Als Schumacher das Unternehmen im vergangenen Frühjahr schließlich Hals über Kopf verlassen muss, will Nachfolger Wolfgang Ziebart die teure Marketingkampagne möglichst rasch beenden. Vertrag für Vertrag wird gekündigt, die Ausgaben zurückgefahren. Jetzt aber hat den weltweit sechsgrößten Chiphersteller das Auto-Abenteuer noch einmal eingeholt. In seinem Geschwindigkeitswahn haben die Münchener PS-Getriebenen offenbar Geschäft und Privatleben nicht immer so getrennt, wie sich das gehört hätte.

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