Infineon berät kommende Woche über Ausbau – ST Microelectronics setzt auf Konsolidierung
Chipkonzerne peilen Zukäufe an

Die beiden größten europäischen Chipkonzerne, Infineon und ST Microelectronics (STM), planen Übernahmen. Sowohl Infineon-Chef Ulrich Schumacher als auch STM-Chef Pasquale Pistorio setzen auf Expansion auch durch Zukäufe. Pistorio sagte dem Handelsblatt, dass die lange erwartete Konsolidierung in der Halbleiterbranche in den nächsten Jahren kommen werde.

cbu/jojo MÜNCHEN. Infineon heizte die Spekulationen gestern mächtig an. Wie das Unternehmen bestätigte, findet am Freitag nächster Woche eine außerordentliche Sitzung des Aufsichtsrates statt. Die Einladung erfolgte ohne Tagesordnung. Auf Nachfrage wollte sich das Unternehmen nicht zu möglichen Themen der Zusammenkunft äußern. Auch bei Siemens, mit gut 40 % der Hauptaktionär von Infineon, gab es gestern keinen Kommentar dazu. In Branchenkreisen heißt es aber, es werde bei der Infineon-Aufsichtsratsitzung unter anderem das Thema Zukäufe erörtert. Es sei aber nicht mit einer Entscheidung zu rechnen. Vielmehr solle das Aufsichtsrat-Gremium von Konzernchef Schumacher informiert werden.

Der Konzern hatte bereits angekündigt, dass kleinere Akquisitionen denkbar seien. Viele Analysten halten dies für nötig, um das kräftige Umsatzwachstum zu erreichen, das die frühere Siemens- Tochter plant. Bis in fünf Jahren soll der Umsatz von heute rund sechs auf 16 bis 20 Mrd. Euro klettern, heißt es in Unternehmenskreisen.

An der Börse wurden die Spekulationen nicht honoriert: Die Infi neon-Aktie gehörte mit einem Minus von über 4 % gestern zu den Tagesverlierern im Dax. Vom Handelsblatt befragte Analysten zeigten sich skeptisch gegenüber Akquisitionen durch Infineon. „Ich hoffe nicht, dass die sich das antun“, sagte ein Experte, der namentlich nicht zitiert werden wollte. Infineon habe momentan genug offene Baustellen. So ist die Firma in den zurückliegenden Monaten zahlreiche Kooperationen in Asien eingegangen, die in nächster Zeit mit Leben erfüllt werden müssen.

Damit nicht genug: Die Autosparte von Infineon hat erst im Frühjahr ein norwegisches Unternehmen übernommen. Und der Mobiltelefon-Bereich hat jüngst einen neuen Chef bekommen, der sich erst einarbeiten muss. Dazu kommt die schwierige wirtschaftliche Situation: Infineon wird nach zweieinhalb Jahren mit Verlusten erst im abgelaufenen Quartal in die schwarzen Zahlen zurückkehren.

Dass Infineon in die Halbleiter- Sparte von Motorola einsteigt, halten Analysten für unwahrscheinlich. Der US-Konzern hatte am Montag angekündigt, einen Teil des Chip-Geschäfts an die Börse zu bringen. Die Analysten von Merrill Lynch haben errechnet, dass die gesamte Sparte mehr als 9 Mrd. $ (etwa 7,7 Mrd. Euro) wert sei. Zum Vergleich: Infineon wird an der Börse mit rund 8,6 Mrd. Euro bewertet. In den USA wurde spekuliert, dass rund 20 % der Chipsparte aufs das Parkett kommen könnten. Doch selbst ein Brocken von 1,8 Mrd. $ wäre für Infineon nicht zu schultern, heißt es übereinstimmend bei Analysten.

Infineon und Motorola stehen bei Telekommunikations- und Automobilchips in einem harten Wettbewerb. So sind die Amerikaner im lukrativen Autobereich Marktführer vor den Deutschen, die zuletzt aber stark aufgeholt haben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%