Infineon-Chef Wolfgang Ziebart
"Der Dollarkurs erfüllt uns mit Sorge"

„Der Dollarkurs kostet uns doch erheblich Umsatz und Ergebnis“, sagt Wolfgang Ziebart. Im Interview erklärt der Infineon-Chef, warum der Münchener Chipkonzern nicht wie andere Unternehmen seine Wertschöpfung weiter in den Dollarraum verlegen kann.

Handelsblatt: Herr Ziebart, Infineon hat seit dem Börsengang im Jahr 2000 Verluste von rund 1,7 Milliarden Euro angehäuft. Auch die jüngsten Jahreszahlen waren tiefrot. Wann geht dem Unternehmen das Geld aus?

Ziebart: Das ist für uns kein Thema. Infineon hat eine gesunde Bilanzstruktur. Konkurs geht man nicht, wenn man Verluste schreibt, sondern, wenn man nicht mehr liquide ist. Wir haben eine komfortable Ausstattung mit liquiden Mitteln, und wir haben im abgelaufenen Geschäftsjahr einen positiven Free Cash-Flow erwirtschaftet. Unsere Eigenkapitalposition mit fünf Milliarden Euro ist ebenfalls sehr solide.

Tatsache ist aber auch, dass der Konzern von allen Seiten unter Druck kommt. Alleine der schwache Dollar hat Sie im abgelaufenen Geschäftsjahr 80 Millionen Euro Gewinn gekostet.

Der Dollarkurs erfüllt uns in der Tat mit Sorge, denn er kostet uns erheblich Umsatz und Ergebnis. Das Problem ist, dass der größte Teil unserer Wertschöpfung in Europa stattfindet. Wir verkaufen unsere Chips aber hauptsächlich in Dollar. Durch den Kurssturz haben wir im letzten Geschäftsjahr 150 Millionen Euro Umsatz verloren.

Inzwischen ist der Dollar weiter gefallen. Kommen nun noch höhere Belastungen auf Sie zu?

Davon müssen wir im Moment ausgehen. Im Vergleich zum abgelaufenen Geschäftsjahr hat der Dollar bis heute noch mehr an Wert verloren.

Warum setzen Sie nicht alles daran gegenzusteuern?

Das tun wir doch. Leider ist das aber nicht so einfach. Letztlich geht es darum, mehr Wertschöpfung außerhalb Europas zu erbringen. Die meisten unserer Werke stehen nun einmal in der Euro-Zone. Sie können eine Halbleiterfabrik nicht kurzfristig verlegen. Das geht vielleicht in anderen Branchen, in unserer Industrie ist es extrem teuer und langwierig.

Langfristig bleibt Ihnen doch gar nichts anderes übrig, als außerhalb Europas zu investieren.

Das haben wir ja bereits getan. Letztes Jahr haben wir zum Beispiel in Malaysia eine neue Fabrik eröffnet. Darüber hinaus vergeben wir Produktionsaufträge an Lieferanten in Asien. Das alles reicht jedoch nicht aus, um den kräftigen Rutsch des Dollars auszugleichen.

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