Infineon eröffnet Werk in Villach
Die Chipfabrik der Zukunft

Deutschlands größter Halbleiterhersteller Infineon hat in Villach eine komplett vernetzte Fabrik gebaut. Sie soll Vorbild für alle Werke des Konzerns in der Welt sein. Doch das Vorhaben birgt Probleme.

VillachStau ohne Ende: Wer in diesen Tagen von Österreich nach Deutschland fährt, der steht mitunter stundenlang an der Grenze. Schon lange war es nicht mehr so mühsam, zwischen den beiden Ländern hin und her zu reisen. Wenn sich schon die Menschen momentan nicht frei bewegen können, so sollen wenigstens die Daten ungehindert fließen. Und so hat Infineon-Chef Reinhard Ploss heute seine erste komplett vernetzte Chipfabrik eröffnet – im österreichischen Villach.

Fast 300 Millionen Euro steckt der Münchener Halbleiterhersteller in den Standort in Kärnten, um Konzepte der „Industrie 4.0“ in der eigenen Fertigung umzusetzen. Gleichzeitig sollen 200 zusätzliche Jobs entstehen. „Es erfordert neue Mittel, um schneller zu sein als die Wettbewerber“, betonte Ploss bei der Einweihungsfeier in Villach.

In der neuen Fabrik gleiten Roboter vollautomatisch durch die Halle, tragen die Scheiben mit den Halbleitern, die sogenannten Wafer, von einer Maschine zu anderen. Die Automaten sind ebenfalls vernetzt: Ist ein Teil zu warten, dann sorgen sie selbstständig dafür, dass ein Mechaniker anrückt – oder sie reparieren sich gleich selbst. Deshalb werden auch die Lieferanten übers Internet mit einbezogen. Jeder Wafer liefert darüber hinaus fortlaufend Daten, um so die Fertigung zu optimieren.

Dazu kommt: Die Entwickler des größten Deutschen Halbleiterherstellers haben ebenfalls Zugriff auf die Produktion. So können sie auch aus weit entfernten Standorten sehen, ob neue Produkte oder Verfahren funktionieren.

Die Durchlaufzeiten der Halbleiter sollen durch die Vernetzung in den nächsten drei Jahren um 15 Prozent sinken. Wichtig zu wissen: Eine Chipfabrik ist hoch komplex, Infineon schleust in Villach 1500 unterschiedliche Varianten durch die Maschinen, jedes der kleinen elektronischen Bauteile wird in mindestens 800 Schritten bearbeitet.

Die neue Fabrik sei eine „Quelle, Daten zu erfassen und Erkenntnisse daraus zu ziehen“, unterstrich Vorstandschef Ploss. Zug um Zug werden die in Villach erprobten Verfahren dann in den anderen Werken der Firma eingesetzt, in Dresden etwa oder in Kulim in Malaysia.

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